Die
Standsicherheit beim Abbruch von Gebäuden
Teilvorhaben A01
Zwischenbericht zum 19.02.1998
von: Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Dr. techn. h.c. J. Eibl
1. Einzelzielsetzung / Arbeitsprogramm
Steigende resp. modifizierte
Anforderungen an die Nutzung von Wohngebäuden,
Produktionsanlagen, Verkehrsbauwerken etc. führen u.a. zu einem
stetigen Anwachsen des Abbruchvolumens.
Die Vielfalt der Abbruchaufgaben hat eine beschleunigte
technische Weiterentwicklung der Abbruchtechniken zur Folge.
Dabei zeigen sich derzeit noch immer wenig befriedigende
Begleiterscheinungen. Bedenklich ist der Einsatz der
unterschiedlichsten Abbruchtechniken ohne systematische Planung
und ohne entsprechende Untersuchung der Standsicherheit einzelner
Rückbau-Phasen. Wie der zweitgenannte Verfasser als beratender
Ingenieur weiß, wurden u.a. im Inneren von Gebäuden sekundäre
Baustrukturen durch Sprengung abgebrochen ohne daß entsprechende
nachvollziehbare und prüfbare Nachweise geführt werden.
Entsprechende Unfälle werden langfristig die Folge sein.
Nachvollziehbare Standsicherheitsnachweise sind unabdingbar.
Der Rückbau in Verbindung mit der gewählten Abbruchtechnik erfordert stärker als bisher auch die Einbeziehung der Rückwirkung auf die Umwelt. Die Staub- und Lärmentwicklung je nach Art der verwendeten Abbruchtechnik, die Wasser-Kontamination, das Vorhandensein toxischer Stoffe in Altbauten etc, müssen beim Abbruch in die Rückbauplanung systematisch einbezogen werden.
Zu einem Abbruch größerer Objekte muß zukünftig eine detailiertere Abbruchplanung als bisher erstellt werden, die folgenden Forderungen Rechnung trägt:
Auf der Grundlage dieser übergeordneten Zielstellung soll im vorliegenden Vorhaben
ein Manual für planende Praktiker sowie
eine Studie mit Vorschlägen eventueller Verbesserungen bautechnischer Richtlinien für den Abbruch von baulichen Strukturen mit besondere Berücksichtigung neuer Abbruchtechniken
erstellt werden.
Für das Manual ist vorgesehen:
Für die Studie ist vorgesehen:
2. Durchgeführte Arbeiten
Die durchgeführten Untersuchungen konzentrierten sich hauptsächlich auf die Bearbeitung der Teilprobleme
Auf der Grundlage einer
systematischen Sichtung der derzeit gültigen Bauordnungen der
Länder sowie themenbezogener Veröffentlichungen wurden die im
Zusammenhang mit Abbrucharbeiten erforderlichen Nachweise und
Genehmigungen zusammengestellt.
Übergeordnete und länderspezifische Regelungen im Zusammenhang
mit Abbrucharbeiten wurden dokumentiert und erörtert. Die zum
Teil unterschiedlichen Verfahrensweisen bei der Genehmigung von
Abbruchanträgen wurde durch eine Befragung ausgewählter
Bauordnungsbehörden verdeutlicht.
Fragen des Gefahrgutrechtes wurden insbesondere unter dem Aspekt
von Sprengabbrüchen erörtert. Die Rechtssituation und die
derzeitige Genehmigungspraxis wurde aufgezeigt. Für realisierte
Bauwerksabbrüche wurden exemplarisch die zur Einhaltung
juristischer Rahmenbedingungen erforderlichen planerischen
Maßnahmen zusammengestellt. Ein verallgemeinertes einfaches
Ablaufschema einer Rückbauplanung wurde erarbeitet. Folgende
zusammenfassende Feststellungen lassen sich treffen:
| 1. | Es gibt
keine bundeseinheitlichen Regelungen für die Genehmigung
von Bauwerksabbrüchen. Die Einstufung eines Abbruchobjektes als genehmigungspflichtig erfolgt auf der Grundlage solcher Bewertungskriterien wie
|
| 2. | Rechtsgrundlage
für die Genehmigung von Bauwerksabbrüchen sind die
Bauordnungen der Länder. Anfang der 90-er Jahre wurden die langwierigen Genehmigungsverfahren für Neubauten durch die Baufreisrellungsrerordming ersetzt, die wiederum in Form von vereinfachten Genehmigungsvefahren (Baden Württemberg: Kenntnisgabeverfahren) in die Bauordnungen der Länder umgesetzt wurde. In einigen Bundesländern wird diese Vorgehensweise auch bei der Genehmigung von Abbruchanträgen angewendet; d.h. im juristischen Sinne ist der Abbruchantrag dem Bauantrag gleichgestellt. |
| 3. | Im Zusammenhang mit Abbrucharbeiten sind weitere Gesetze und Regelungen beispiels weise zum Immissionsschutz, zum Umgang mit Gefahrstoffen usw. zu beachten. |
| 4. | Einige relevante Rechtsgebiete wie beispielsweise das Abfallrecht werden einer ständigen Novellierung unterworfen. Für Nichtjuristen ist es problematisch, in allen Rechtsgebieten auf dem aktuellen Stand zu bleiben. |
| 5. | Der im Zusammenhang mit dem Genehmigungsverfahren für einen geplanten Abbruch erforderliche Planungsaufwand ist von Bundesland zu Bundesland stark unterschiedlich. Die Unterschiede ergeben sich aus differierenden länderspezifischen Regelungen des Abfallrechtes und den darauf zurückzuführenden kommunalen Abfailsatzungen. |
Zur Festlegung eines geeigneten
Abbruchverfahrens sind u.a. Angaben zu den vorhandenen
Materialien und deren Festigkeitskennwerten erforderlich. Auf der
Grundlage einer Literaturstudie wurden einige einfache Methoden
zur Festigkeitsanalyse nicht normierter Baustoffe
zusammengestellt. Schwerpunkte hierbei sind Geräte und Methoden
zur Betonprüfung, Bewehrungssuchgeräte und
Korrosionsanalysegeräte.
Die Dokumentation von Methoden zur Festigkeitsanalyse nicht
normierter Baustoffe wurde fortgeführt.
Die Untersuchungen zu Standsicherheitsnachweisen lassen sich ausgehend vom gewählten Abbruchverfahren in nachfolgende, inhaltlich untersetzte drei Problemkreise unterteilen:
| 1. | Vorbereitung
des Abbruchs
|
| 2. | Durchführung
des Abbruchs
|
| 3. | Folgewirkungen des Abbruchs
|
Auf der Grundlage
einer weiterzuführenden Literaturrecherche wurde in einem ersten
Teil die rechtliche Situation im Zusammenhang mit den
Folgewirkungen von Bauwerksabbrüchen behandelt. Dazu wurden die
unter das Umweltrecht fallenden Bundes-Immissionsschutzgesetz,
das Chemikaliengesetz, das Wasserhaushaltsgesetz sowie das
Kreislaufwirtschaftsgesetz auf abbruchrelevante Festlegungen hin
untersucht.
Grenzwerte zu Lärm-, Staub- und Schadstoffemissionen der dem
Bundes-Imissionsschutzgesetz nachgeordneten Vorschriften (TA
Luft, TA Lärm) wurden, soweit vorhanden, angegeben. Auf die
Spezifik kurzzeitiger resp. einmaliger Lärm- und Staubemissionen
beispielsweise bei Sprengabbrüchen wurde eingegangen.
In einem zweiten Teil wurden Abbruchverfahren
hinsichtlich ihrer Effizienz sowie ihres um weltgefährdenden
Potentials zusammengestellt und erörtert. Die aus
Abbrucharbeiten resultierenden Umweltbelastungen wie Lärm, Staub
und Erschütterungen wurden auf der Grundlage gemessener Werte
resp. einer Literaturrecherche quantifiziert. Schutzmaßnahmen
wurden vorgestellt und erörtert. Eine in das Manual zu
überführende Bewertung der Abbruchverfahren hinsichtlich ihrer
Umweltbelastungen wurde konzipiert.
Auf die Erfassung von Kontaminationen und den Umgang mit
kontaminierten, abzubrechenden Bauwerken resp. Bauwerksteilen
wurde eingegangen. Fragen der Arbeitssicherheit wurden von
rechtlicher aber auch praktischer Seite behandelt.
Im dritten Teil wurden auf der Grundlage einer
Literaturrecherche sowie einer Auswertung durchgeführter,
dokumentierter Bauwerksabbrüche erste Zusammenstellungen für
das geplante Manual zur qualitativen und quantitativen
Beurteilung
erarbeitet.
Auf Schadensfälle wurde im Rahmen der zur Verfügung stehenden
Unterlagen eingegangen. Die Untersuchungen zu statischen und
dynamischen Zusatzlasten beim Abbruch konzentrierten sich
hauptsächlich auf das Abbruchsprengen.
Auf der Grundlage einer Analyse der Tragstruktur und der Zuordnung zweckmäßiger Sprengverfahren wurden qualitative und quantitative Aussagen zusammengestellt zu:
Mit Rücksicht auf zukünftige abbruchfreundliche Bauwerke wurden u.a auch Gesichtspunkte der Planung neuer Bauvorhaben erörtert. In Hinsicht auf die Kreislaufwirtschaft sollten sowohl in der Vorplanung als auch in der Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung Prinzipien der Errichtung abbruchfreundlicher Baustrukturen berücksichtigt werden.
7. Geplante Weiterarbeit
Die inhaltlich abgeschlossene Zusammenstellung der für Abbrucharbeiten erforderlichen Nachweise und Genehmigungen wird in ein Manual überführt.
Die Zusammenstellung geeigneter Verfahren zur Festigkeitsanalyse von Baustoffen wird fortgesetzt. Ein Manual wird erarbeitet.
Die Untersuchungen zur Durchführung von Standsicherheitsnachweisen werden auf der Grundlage der o.g. drei Teilprobleme fortgeführt. Die Aufbereitung erfolgt mehrstufig. Nach der Zusammenstellung und Erörterung der Einzelinformationen werden objekt- und verfahrensbezogene Empfehlungen erarbeitet und Näherungsverfahren zur Abschätzung der Standsicherheit beim Abbruch zusammengestellt. Hinsichtlich der Abbruchverfahren wird schwerpunktmäßig das Abbruchsprengen behandelt. Die Ergebnisse werden in ein Manual überführt.
Das in ersten Teilen konzipierte Manual für die Durchführung von Abbrucharbeiten wird parallel zum Bearbeitungsstand der genannten Teilprobleme weiterbearbeitet. Vorschläge von Abbruchunternehmern werden berücksichtigt.
Die Zusammenstellung von Grundsätzen und Beispielen für zukünftige abbruchfreundliche Baustrukturen wird fortgeführt.
Die Arbeiten an der Studie zur Erarbeitung von Regeln, die als Entscheidungsgrundlage für die Planung und Durchführung von Abbrucharbeiten dienen sollen, wird fortgesetzt.
| Dieses Dokument stellt den vorläufigen Zwischenstand der Forschungsarbeiten zum Zeitpunkt seiner Verfassung dar. Für die endgültigen Ergebnisse der Forschungsarbeiten wird auf den Schlußbericht des Teilprojekts verwiesen. |