Artikel aus: Darmstädter Echo 12.03.98
Weststadt
im Norden
Schon wieder ein Richtfest im Bürgerparkviertel
Die Weststadt auf dem Boschgelände nahe dem Autobahnkreuz ist als Hoffnung auf ein zukunftsträchtiges Stück Stadterweiterung bereits zum Gegenstand akademischer Symposien geworden. Diese Ehre blieb dem Bürgerparkviertel bislang versagt, obwohl dort schon seit Jahren gebaut wird. Mittlerweile sind die Dimensionen dieses neuen Stadtteils nicht mehr zu übersehen: Die Weststadt entsteht vorerst im Norden. Gestern war schon wie der ein Richtfest im Bürgerparkviertel, dem alten Schlachthof an der Frankfurter Straße.
Der jetzt im Rohbau
fertiggestellte Nordriegel nach Plänen des Architekturbüros
Kramm und Strigl wird ein Bürokomplex mit Läden im Erdgeschoß.
In den Ostflügel will der Bauherr selbst einziehen. Die
BauVerein AG wird zum Jahresende ihren Firmensitz von der
Bismarckstraße an den Bürgerpark verlegen.
Das neue Haus der städtischen Tochterfirma, der größten
Wohnungsbaugesellschaft der Region, ist auch in technischer
Hinsicht von besonderem Interesse. Der Beton, aus dem der dritte
von drei Baukörpern gegossen wurde, ist aus dem Bauschutt
gewonnen worden, der beim Abriß der alten Schlachthofgebäude
zurück blieb.
Dieses Verfahren wurde unter Leitung von Professor Dr. Peter
Grübl am Institut für Massivbau der Technischen Hochschule
Darmstadt entwickelt. Weil Siedlungsflächen immer knapper werden
und mehr und mehr zum Abriß und Neubau alter Industrieviertel
übergegangen wird, ist das Recycling-Verfahren technisch und
ökologisch von so hohem Wert, daß es vom
Bundeswissenschaftsministerium unterstützt wird.
Der identische Nachbarblock der künftigen Bauvereinszentrale wurden aus herkömmilchem Beton hergestellt. So kann man das neue Verfahren am besten in der Praxis testen. Dr. Wolfgang Rösch, Vorstandsvorsitzender des Bauvereins, hat nicht die geringsten Bedenken seinen Schreibtisch auf einen Fußboden aus rezykliertem Beton zu stellen.
Mitte des Jahres, so verkündeten
der Aufsichtsratsvorsitzende und Oberbürgermeister Peter Benz
gestern, wird auch eine weitere wesentliche Entscheidung im
Bürgerparkviertel fallen, die über den bau des
Hundertwasserhauses. Das von dem Wiener Künstler Waldspirale
genannte Haus mit 105 Eigentumswohnungen ist planungsrechtllch
von Stadtparlament bereits abgesichert. Nun geht es nur noch um
die Frage, wie der Bauverein die nicht ganz billigen Wohnungen in
dem ebenso skurrilen wie aufwendigen Bauwerk verkaufen kann.
Erster Bauabschnitt auf dem Schlachthof war die schon bezogene
Bürozeile entlang der Frankfurter Straße, in der jetzt Teile
der Stadtverwaltung sitzen. Der zweite Bauabschnitt aus
Gewerbeflächen und 175 Mietwohnungen ist soweit fertig, daß
Rösch im Mai mit dem Einzug der ersten Wohnungsmieter rechnet.
Insgesamt besteht das
Bürgerparkviertel aus fünf Bauabschnitten, deren Fertigstellung
für das Jahr 2000 geplant ist. In nur sechs Jahren wird dann an
der Frankfurter Straße ein neuer Stadtteil entstanden sein.