Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung 12.03.98

Baustoffkreislauf im Massivbau
Bürgerparkviertel: Recycling-Beton auf dem Prüfstand / Richtfest für Nordriegel

Für den Nordriegel des neuen Bürgerparkviertels, das die städtische Baugesellschaft Bauverein zur Zeit auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs errichtet, ist gestern Richtfest gefeiert worden. Damit nähert sich das neue Stadtviertel allmählich seiner Vollendung. Nur die von Friedensreich Hundertwasser entworfene "Waldspirale" mit 105 Eigentumswohnungen wartet noch auf den Baubeginn. Der erste Bauabschnitt des weitgehend von der Stadt für die· Sozialverwaltung und andere städtische Dienststellen genutzten Bürogebäudes an der Frankfurter Straße ist im vorigen Jahr abgeschlossen worden.

175 Mietwohnungen und 4200 Gewerbeflächen, die als nächster Bauabschnitt in Angriff genommen wurden, stehen kurz vor der Fertigstellung und sollen im Mai bezugsfertig sein. Der jetzt im Rohbau vollendete Nordriegel besteht aus drei Gebäuden mit Läden und Büros auf einer Gesamtnutzfläche von rund 5000 Quadratmetern. Ihnen ist ein Parkdeck und Gewerbefläche mit einer Bruttogeschoßfläche von 26 700 Quadratmetern vorgelagert. In ihm befinden sich 487 Stellplätze und im Erdgeschoß Einzelhandelsflächen. In die Büroetagen wird neben anderen Mietern der Bauverein einziehen.

Der Nordriegel ist ein "Demonstrationsbauvorhaben". Im Rahmen eines vom Bundesminsterium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie geförderten Forschungsvorhabens mit dem Titel "Baustoffkreislauf im Massivbau" wird untersucht, wie weit sich Recycling-Beton, der aus Abbruchmaterial hergestellt wurde, von herkömmlichem Beton unterscheidet.
Ein Gebäudeteil wird mit Recycling-Beton errichtet, ein spiegelbildlich damit identischer mit Normalbeton. Das Institut für Massivbau der Technischen Universität Darmstadt begleitet den Modellversuch. Nach Auskunft von Professor Peter Grübl waren bis jetzt keine Unterschiede festzustellen. Rund 500 Kubikmeter Beton wurden statt aus Sand und Kies aus Abbruchmaterial hergestellt. Mit Zement und Wasser vermengt, entstand ein angeblich einwandfreier Baustoff der weder beim Pumpvorgang noch beim Verdichten oder Abziehen Besonderheiten aufwies. Die Festigkeit sei vorher versuchstechnisch geklärt worden, berichtete Grübl.