Bericht über den
Stand der Untersuchungen
Baustoffkreislauf im Massivbau"
Teilprojekt E 06
Verhalten von rezykliertem Zuschlag aus Beton, der durch eine Alkalireaktion gefährdet oder bereits geschädigt ist
Im Zwischenbericht 01/98 wurde bereits der Umfang der Untersuchungen dargestellt. Mit Stand vom 05.05.1998 sind alle Betone des Untersuchungsprogramms hergestellt (siehe Tabelle 2 des Zwischenberichts 01/98). Die Frisch- und Festbetoneigenschaften einschließlich der statischen Elastizitätsmoduli wurden ermittelt. Die Messungen der Dehnungen und des relativen dynamischen E-Moduls während der Einlagerung der Probekörper im Klima 40°C und 100 % rel. Luftfeuchte sind zu 95 % abgeschlossen. Die Messungen werden im Oktober 1998 beendet. Die Tabellen 1, 2, 3 und 4 geben einen Überblick über die Dehnungen der Betone nach 6 Monaten Lagerung gemessen an Balken 10 x 10 x 50 cm.
Weiterhin wurden von allen Betonen von jeweils einem Balken Abschnitte von ca. 2 cm hergestellt, die sowohl für Anschliffe als auch für Dünnschliffe (siehe Teilprojekt E 07) Verwendung finden. Durch Auflicht- und Durchlichtmikroskopie soll an diesen Proben der Ablauf der Alkali-Zuschlag-Reaktion und die Bildung der Reaktionsprodukte ausgehend von alkaliempfindlichen Gesteinen festgestellt werden. An diesen Platten werden weiterhin die Reaktionen der alkaliempfindlichen Zuschläge durch Anfärbemethoden beurteilt.
1. Eigenschaften der Referenz- und Vergleichsbetone
Entsprechend der Arbeitsanweisung für das "Prüfverfahren für die technologischen Untersuchungen" (TOP 4. Referenzbeton) und dem Protokoll der Sitzung AG 1 - AG 3 am 12. Juni 1996 FKZ 01 - ZB 9505 und 01 - ZB 9506 wurden ein Referenz- und ein Vergleichsbeton hergestellt. Die Zusammensetzung, die Frischbeton- und Festbetonwerte sind in den Tabellen 5, 6 und 7 dargestellt.
2. Teilauswertung der bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse
2.1 Ausgangsstoffe
Bei der Auswahl der Zuschläge für die Ausgangsbetone wurde grundsätzlich auf
Zuschläge aus Schleswig-Holstein zurückgegriffen. Vor dem Betonieren wurden
die Zuschläge nach der Richtlinie des DAfStb Alkalireaktion im Beton"
Ausgabe 12/86 untersucht. Die Tabellen 1 bis 4 enthalten den Anteil an Opalsandstein
und Flint aufgrund der petrographischen Untersuchung. Es ist darauf hinzuweisen,
daß der Zuschlag der Alkaliempfindlichkeitsklasse EIII (bedenklich, erhebliche
Mengen an Opalsandstein) enthielt. Es handelte sich hierbei um einen Zuschlag
aus einer Grube Ost-Holsteins, der nur für Innenbauteile Verwendung findet.
Die Zuschläge der Empfindlichkeitsklasse EI (unbedenklich) und
EII (bedingt brauchbar) enthalten Opalsandstein sowie dichte und
poröse Flinte in den jeweils für die Empfindlichkeitsklasse
zulässigen Mengen.
Der für alle Betone verwendete Sand entsprach der
Empfindlichkeitsklasse EI (unbedenklich) mit einem Anteil von 0,5
M-% Durchgang durch das Sieb 0,5 mm für die Kornklasse 1/2 mm.
Aus den vorgenannten Zuschlägen wurde eine Kornzusammensetzung entsprechend der Sieblinie A/B32 für die Herstellung der Ausgangsbetone gewählt. Hierbei wurde davon ausgegangen, daß beim Herstellen der Zuschläge für die Sekundärbetone eine Zerkleinerung der weicheren alkaliempfindlichen Zuschläge stattfindet, so daß bei einem Größtkorn von 16 mm nur mit sehr verringerter Korngröße der alkaliempfindlichen Zuschläge zu rechnen ist.
Für die Sekundärbetone wurde eine Zuschlagzusammensetzung entsprechend der Sieblinie A/B16 gewählt. Im Bereich 0-2 mm wurde der Brechsand durch einen Sand EI Lieferkörnung 0/2a ersetzt.
2.1
Frischbetoneigenschaften
Bei der Herstellung der Ausgangsbetone wurden der
jeweilige w/z-Wert und die Zementmenge eingehalten (siehe Tabelle
8). Hierbei zeigte sich,
daß die Betone der Gruppe BII mit Zuschlägen der
Empfindlichkeitsklasse EIII im allgemeinen geringere
Ausbreitmaße lieferten bei gleichzeitig etwas erhöhten
Luftporengehalten.
Die aus dem rezyklierten Zuschlag der Ausgangsbetone
hergestellten Sekundärbetone weisen generell niedrigere
Frischbetonrohdichten auf. Die Luftporengehalte der
Sekundärbetone liegen durchschnittlich um ca. 1 Vol.-% über
denen der Ausgangsbetone.
2.3 Festbetoneigenschaften
Die Druckfestigkeiten und Spaltzugfestigkeiten der Ausgangsbetone
und der Sekundärbetone weisen trotz etwas geringerer
Festbetonrohdichten der Sekundärbetone vergleichbare Werte auf.
Der statische E-Modul mit durchschnittlich 26500 N/mm² der
Sekundärbetone liegt um ca. 15 % niedriger als der der
Ausgangsbetone.
2.4
Verhalten der Betone bei Lagerung im Klima 40/100 und
Außenlagerung
Nach einer Erhärtungszeit der Betone von ca. 24 h wurden die
Balken 10 x 10 x 50 cm sowie 1 Würfel mit 30 cm Kantenlänge in
die Nebelkammer eingelagert. Vor der Einlagerung erfolgte bei den
Balken die 1. Längenmessung. Dementsprechend beinhalten alle
Dehnungsmessungen die Temperatur- und eine mögliche
Feuchtigkeitsdehnung. Dehnungen, die unter diesen Bedingungen
0,50 mm/m überschreiten, führen erfahrungsgemäß an Bauteilen
zu Schädigungen in Form von Rißbildungen.
Betone, hergestellt aus Zuschlag
der Alkaliempfindlichkeitsklasse EIII (bedenklich), enthielten
derart hohe Anteile an Opalsandstein, daß hier das Pessimum weit
überschritten war. Selbst bei den Sekundärbetonen wurde der
kritische Wert von 0,50 mm/m nicht überschritten.
Sekundärbetone, die aus Ausgangsbetonen mit mindestens 4 Monate
Nebelkammer-Vorlagerung hergestellt wurden, weisen deutliche
Dehnungen über den vorgenannten Grenzwert auf. Darüber hinaus
sind Rißbildungen an den Balken 10 cm x 10 cm x 50 cm
aufgetreten.
Bei ausreichend hohem Alkaligehalt neigen alle Sekundärbetone
aus Zuschlägen der Alkaliempfindlichkeitsklassen EI und EII zu
Dehnungen über 0,50 mm/m. Lediglich Sekundärbetone (S1) aus
Ausgangsbetonen mit CEM III A oder Sekundärbetone (S2) mit
NA-Zement sind hiervon ausgenommen.
Neben den Dehnungsmessungen an Balken wurden Würfel von 30 cm
Kantenlänge aus diesen Betonen auf Rißbildungen untersucht. Die
Aussagen der Dehnungsmessungen wurden durch Rißbildungen an den
Würfeln bestätigt Die Rißbildungen an den Würfeln bei
Lagerung 40/100 treten bei der Außenlagerung um ca. 3 bis 6
Monate zeitversetzt auf. In der Tabelle 9 sind die an den Würfeln beobachteten
Schäden zusammengestellt.
3. Gegenwärtiger Erkenntnisstand
Die bisher vorliegenden
Untersuchungsergebnisse zeigen, daß eine deutliche Abhängigkeit
zwischen dem Alkaligehalt im Beton und einer schädigenden
Alkalireaktion besteht. Selbst bei Zuschlägen der
Alkaliempfindlichkeitsklasse EI (unbedenklich) treten bei
ausreichend hohem Alkaligehalt im Sekundärbeton (S1) Dehnungen
auf, die den Grenzwert 0,50 mm/m überschreiten und an Würfeln
mit 30 cm Kantenlänge zu Rißbildungen führen. Bei Verwendung
von NA-Zement auch bei hohen Zementgehalten von 400 kg/m³ im
Sekundärbeton (S2) wurden keine Schäden beobachtet, die
Dehnungen überschreiten den vorgenannten Grenzwert in keinem
Fall.
Sekundärbetone, bei denen der Ausgangsbeton unter Verwendung von
CEM III A hergestellt wurde, weisen weder Schäden auf, noch
liegen die Dehnungen über den Vergleichsbeton (S2) mit
NA-Zement. Um eine generelle Aussage darüber treffen zu können,
ob in allen Fällen der Hüttensand der CEM III eine schädigende
Alkalireaktion verhindert, bedarf es zur Absicherung eines
größeren Untersuchungsumfangs.
| Tabelle 1: | Ausgangsbetone
BII (w/z = 0,45 Zementgehalt 400 kg/m³) |

A Ausgangsbeton
S1- Sekundärbeton aus Ausgangsbeton; CEM I 32,5 R Na2O-Äquivalent
> 1,20 M-%
S2- Sekundärbeton aus Ausgangsbeton; CEM I 42,5 NA Na2O-Äquivalent
< 0,60 M-%
| Tabelle 2: | Ausgangsbetone
BI (w/z = 0,60 Zementgehalt 300 kg/m³) |

A Ausgangsbeton
S1- Sekundärbeton aus Ausgangsbeton; CEM I 32,5 R Na2O-Äquivalent
> 1,20 M-%
S2- Sekundärbeton aus Ausgangsbeton; CEM I 42,5 NA Na2O-Äquivalent
< 0,60 M-%
| Tabelle 3: | Ausgangsbetone
mit mindestens 4 Monate Nebelkammer-Vorlagerung BII (w/z
= 0,45 Zementgehalt 400 kg/m³) |

A Ausgangsbeton
S1- Sekundärbeton aus Ausgangsbeton; CEM I 32,5 R Na2O-Äquivalent
> 1,20 M-%
S2- Sekundärbeton aus Ausgangsbeton; CEM I 42,5 NA Na2O-Äquivalent
< 0,60 M-%
| Tabelle 4: | Ausgangsbetone
mit mindestens 4 Monate Nebelkammer-Vorlagerung BI (w/z =
0,60 Zementgehalt 300 kg/m³) |

A Ausgangsbeton
S1- Sekundärbeton aus Ausgangsbeton; CEM I 32,5 R Na2O-Äquivalent
> 1,20 M-%
S2- Sekundärbeton aus Ausgangsbeton; CEM I 42,5 NA Na2O-Äquivalent
< 0,60 M-%
| Tabelle 5: | Zusammensetzung
Referenzbeton und Vergleichsbeton |

| Tabelle 6: | Frischbetonwerte
Referenzbeton und Vergleichsbeton |

| Tabelle 7: | Festbetonwerte
Referenzbeton und Vergleichsbeton |

| Tabelle 8: | Bezeichnung
der Betone |
| A | Ausgangsbeton BI Ausgangsbeton
mit w/z = 0,60 und Zementgehalt 300 kg/m³ Beide Ausgangsbetone mit Zuschlägen der Empfindlichkeitsklasse EI, EII und EIII Zemente:
|
||||||||
| S1 | Sekundärbeton
aus Ausgangsbeton oder aus Beton aus Abbruchbauwerken mit
CEM I 32,5 R, Na2O-Äquivalent > 1,2 M.-% 400 kg/m³ , w/z = 0,45, Sieblinie A/B 16 |
||||||||
| S2 | Sekundärbeton
aus Ausgangsbeton oder aus Beton aus Abbruchbauwerken mit
CEM I 42,5 NA, Na2O-Äquivalent < 0,6 M.-% 400 kg/m³ , w/z = 0,45, Sieblinie A/B 16 |
| Tabelle 9: | Beurteilung
der Würfel 30 cm Kantenlänge bei Lagerung 40/100 und
Außenlagerung |
*) Lagerung < 6 Monate
| Dieses Dokument stellt den vorläufigen Zwischenstand der Forschungsarbeiten zum Zeitpunkt seiner Verfassung dar. Für die endgültigen Ergebnisse der Forschungsarbeiten wird auf den Schlußbericht des Teilprojekts verwiesen. |