Technische Universität Darmstadt
Institut für Massivbau
Baustoffe, Bauphysik, Bauchemie

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Baustoffkreislauf im Massivbau
Teilprojekt G/01

Industrielle Betonherstellung zur Erstellung von Bauwerken unter Verwendung von Beton mit Sekundärzuschlägen aus Bauschutt
(Demonstrationsbauvorhaben)

Zwischenbericht
Stand September 1998

Verfasser:
Prof. Dr.-Ing. Peter Grübl
Dipl.-Ing. A. Nealen

 

 

BETONHERSTELLUNG

Stand der Arbeiten

Der Rohbau des Bürogebäudes [1] wurde Ende Februar 1998 fertiggestellt. Die letzte Betonlieferung erfolgte am 10.2.98. Insgesamt wurden 461 m3 Beton mit rezykliertem Zuschlag eingebaut.

Mischungszusammensetzung für die Eignungsprüfung

Die eingesetzte Betonmischung ist in Tabelle 1 aufgezeigt. Nach der DAfStb-Richtlinie: Beton mit rezykliertem Zuschlag vom August 1998 [2] dürfen bis zu 33 % des Gesamtzuschlags bei einem B 35 für Innenbauteile ausgetauscht werden. Bei dem Bauobjekt Vilbeler Weg kam ausschließlich Rezyklat zum Einsatz, wobei die Fraktionen > 2 mm aus aufbereitetem Betonsplitt bestehen. Für die Fraktion < 2 mm wurde ein Bauaufsichtlich zugelassener Recyclingsand verwendet. Verwendungszweck und Prüfumfang der Eigenüberwachung ist in der Zustimmung im Einzelfall geregelt.

Tabelle 1 Mischungszusammensetzung, welche aus den Versuchen zur Zustimmung im Einzelfall hervorgegangen ist, zur Herstellung eines Betons der Festigkeitsklasse B 35

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Für die Laborversuche zur Eignungsprüfung wurden die Zuschlagsfraktionen 2/8 und 8/16 in kernfeuchtem Zustand verwendet (maximale Kernfeuchte, keine Oberflächenfeuchte), um feuchte Wetterbedingungen an der Mischanlage zu simulieren.

Nach einer 24 stündigen Unterwasserlagerung wurde der rezyklierte Zuschlag mattfeucht abgetrocknet. Die Gewichtszunahme wurde ermittelt woraus sich eine Gesamtkernfeuchte von ca. 4,7 M.-% bezogen auf den trockenen Zuschlag ergab, bei einem Rezyklatanteil von 1113 kg/m3 also etwa 52 kg/m3 an Porenwasser (Tabelle 1). Dieser Wert entspricht nach der Definition dem 24 stündigen Saugwasser (w24h), welcher nach der Richtlinie [2] auf maximal 10 M.-%, bezogen auf den trockenen Zuschlag, begrenzt ist. Der Bauaufsichtlich zugelassene Recyclingsand wies kein ausgeprägtes Saugverhalten auf.

Eine weitergehende Messung der Wasseraufnahme jenseits des 24 Stunden Wertes zeigte keine signifikante Zunahme des Meßergebnisses. Dementsprechend kann der 24 Stunden Wert der Wasseraufnahme als die maximal aufnehmbare Kernfeuchte definiert werden (w24h = wa,max).

Wasserdosierung

Die Zugabewassermenge an der Mischanlage (wd) wurde bei 170 kg/m3 konstant gehalten, unter Berücksichtigung der Sandfeuchte, die kapazitiv erfaßt und in das Dosierprogramm eingespeist wurde. Die vorhandene Kernfeuchte im Betonsplitt an der Mischanlage (wa,p) variierte aufgrund wechselnder Wetterbedingungen. Bei einer Kernfeuchtesättigung (wa,p = wa,max) an feuchten Tagen entspricht der wirksame Wasserzementwert etwa wwirks/(z+0,4·f) = 170/(310+0,4·40) = 0,52. Bei starkem Regen kann der Betonsplitt > 2 mm nachdem die Poren gesättigt sind zusätzlich noch etwa 2,3 % Oberflächenfeuchte an sich binden, was zu einem freien Wassergehalt von 196 kg/m3 und einem wirksamen Wasserzementwert von wwirks/(z+0,4·f) = 0,60 führt. Dieser Wert stellt den höchstmöglichen wirksamen Wasserzementwert dar, somit die Betonmischung mit der geringsten Festigkeit. Die Angestrebte Betonfestigkeit b w28 sollte in diesem Fall bei etwa 40 N/mm2 liegen, dies wurde durch die Meßergebnisse bestätigt. Bei allen anderen Wetterbedingungen wird der Anteil des wirksamen Wassergehaltes (wwirks) in der Mischung reduziert und die Festigkeit erhöht. Die veränderliche Kernfeuchte (wa,p) führte zu einer Variation des wirksamen Wassergehaltes, der Ausgangskonsistenz, des Ansteifverhaltens (etwas stärkeres Ansteifen bei trockenem Zuschlag) und der Druckfestigkeit. Das Volumen und die Mischungsproportionen wurden ebenfalls vom Saugverhalten des Betonsplitts beeinflußt.

Konsistenzschwankung und Konsistenzkorrektur

Nach dem Mischen (t = 10 Min.) hatte der Frischbeton ein Ausbreitmaß zwischen 38 cm und 50 cm je nach vorhandener Gesamtfeuchte des Betonsplitts. Anschließend wurde der Beton mit einer Fahrzeit von ca. 20-30 Minuten zur Baustelle transportiert.

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Bild 1 Fließmitteldosierung in Abhängigkeit der Ausbreitmaßänderung

Für den Einbau wurde von der Bauleitung ein Ausbreitmaß von 55 cm gefordert, weshalb eine Konsistenzkorrektur mit Fließmittel auf der Baustelle Durchgeführt wurde. Die erforderliche Menge an Fließmittel wurde bei Ankunft auf der Baustelle anhand der einzustellenden Konsistenzveränderung D a ermittelt (siehe Bild 1). Aufgrund der schwankenden Konsistenz variierte die erforderliche Fließmittelmenge zwischen 5 ml/kgZ und 18 ml/kgZ. Die in Bild 1 dargestellte Dosieranweisung ist in der Richtlinie: Beton mit rezykliertem Zuschlag, Teil 1, Abschnitt 4 im Rahmen der erweiterten Eignungsprüfung gefordert [2]. Die dargestellte Gerade gilt jeweils nur für ein bestimmtes Fließmittelprodukt.

 

DURCHGEFÜHRTE FESTBETONUNTERSUCHUNGEN

Probenhäufigkeit

Pro Betoniertag und pro 25 m3 Beton wurde eine Serie von drei Würfeln mit 150 mm Kantenlänge sowohl direkt nach dem Mischen (t = 10 Min.) auf der Transportbetonanlage als auch auf der Baustelle nach Fließmitteldosierung und Durchmischung (t = 60 Min.) hergestellt. Eine Auflage der Zustimmung im Einzelfall war, den in der DIN 1084, Teil 3 gefordertem Prüfumfang zu verdoppeln. Bei einer B II Baustelle sind nach DIN 1084, Teil 3 pro Geschoß zwei Serien à drei Würfel herzustellen. Der doppelte Umfang wäre in diesem Fall (fünf Geschosse) 20 Würfelserien. Insgesamt wurden 26 unabhängige Würfelserien hergestellt, auf ihre Druckfestigkeit hin untersucht und statistisch ausgewertet [3].

Druckfestigkeit

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Bild 2 Dichteverteilung der Druckfestigkeiten

Bild 2 zeigt die Dichteverteilung der Druckfestigkeiten bei Annahme einer Standardnormalverteilung sowohl auf der Mischanlage (t = 10 Min.) als auch auf der Baustelle nach Fließmittelzugabe (t = 60 Min.).

Im direkten Vergleich zu den Ergebnissen des letzten Statusseminars im Februar 1998 [4], wo erst 17 Würfelserien ausgewertet waren, wird ersichtlich, daß die Streuung der Meßergebnisse auf der Baustelle geringer geworden ist (Tabelle 2). Die Prüfstreuung innerhalb einer Würfelserie ist mit maximal 2,1 N/mm2 von Größt- zu Kleinstwert gering. Die Tatsache, daß die Zusammensetzung und die Trockenrohdichte des Betonsplitts über den gesamten Produktionszeitraum fast konstant waren läßt darauf schließen, daß die Streuung der Meßwerte nicht in erster Linie auf die Qualität des Zuschlags zurückzuführen ist.

Tabelle 2 Ergebnisse der statistischen Auswertung der Druckfestigkeit

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Der Großteil der Streuung steht in direktem Zusammenhang mit der variierenden Kernfeuchte (wa,p) des Betonsplitts. Der unterschiedliche wirksame Wassergehalt (wwirks) im Zementmörtel beeinflußt die Konsistenz, welche, zu einem festen Zeitpunkt gemessen, ein Maß für die erreichbare Druckfestigkeit der jeweiligen Mischung ist. Diese Korrelation wird aus Bild 3 ersichtlich. Obwohl die Kernfeuchte des Betonsplitts bei der Wasser- und Zuschlagsdosierung nicht Berücksichtigt wurde, beträgt die Standardabweichung der Meßergebnisse lediglich 3,01-4,23 N/mm2 (Tabelle 2). Diese Werte werden in [5] als ‘sehr gut’ bezeichnet.

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Bild 3 Zusammenhang zwischen Ausbreitmaß nach 30 Min. und Druckfestigkeit

 

Analog zur Korrelation zwischen Druckfestigkeit und Ausbreitmaß, zeigt der Zusammenhang zwischen erforderlicher FM-Zugabe und Druckfestigkeit eine ähnliche Korrelation auf: Je höher die erreichte Druckfestigkeit, desto niedriger das Ausbreitmaß nach 30 Minuten und desto mehr Fließmittel erforderlich, um ein gefordertes Ausbreitmaß von 55 cm zu erreichen (siehe Bild 4).

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Bild 4 Erreichte Druckfestigkeit und Fließmittelzugabemenge für 26 unabhängige Proben

 

ZUSAMMENFASSUNG

Das Demonstrationsbauvorhaben Vilbeler Weg zeigt, daß das vorgestellte Produktionskonzept anwendbar ist, wenn qualitativ hochwertiger Betonsplitt eingesetzt wird. Um einen Beton herstellen zu können, dessen Qualität dieselbe ist, wie die von Beton mit natürlichem Zuschlag, müssen einige Parameter und Grenzen Berücksichtigung finden:

Die Differenz des freien Wassergehaltes (wwirks) pro m3 Beton zwischen trockenem und kernfeuchtegesättigtem Zuschlag beträgt:

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mit:

mr Masse des rezyklierten Zuschlags, trocken [kg/m3]
adb,h) Maximale Wasseraufnahme des rezyklierten Zuschlags in Abhängigkeit der Trockenrohdichte [%]

Um die erfolgreiche Anwendung des vorgestellten Produktionskonzepts gewährleisten zu können, sollte also das wwirks  auf einen Wert von maximal wwirks = 53 kg/m3 begrenzt werden. Wird dieser Wert von der aufgestellten Mischung überschritten, so müssen Korrekturmaßnahmen getroffen werden, wie oben beschrieben, um eine konstante Qualität zu erhalten. Untersuchungen hinsichtlich Alternativen Produktionskonzepten, welche auf Betonmischungen mit wwirks,max > 53 kg/m3 anwendbar sind, sind in Bearbeitung.

 

LITERATUR

1. GRÜBL, P. Baustoffkreislauf im Massivbau. Bauingenieur 72 (1997), S. 425/430
2. DEUTSCHER AUSSCHUß FÜR STAHLBETON, DAfStb: Richtlinie "Beton mit rezykliertem Zuschlag". August 1998
3. BIELAK, E. Bewertung von Ergebnissen aus der Zement- und Betonprüfung. Beton 44 (1994) H.6, S. 318/323
4. GRÜBL, P. UND NEALEN, A. Zwischenbericht zum BiM Teilprojekt G01. Berichtsband zum Statusseminar am 19. Februar 1998.
5. WEIGLER H. UND KARL S. Beton: Arten – Herstellung – Eigenschaften. Verlag Ernst & Sohn, 1989
6. GRÜBL. P. Die Erstellung von Bauwerken unter Verwendung von industriell gefertigtem Beton mit rezykliertem Zuschlag. 18. Darmstädter Massivbau Seminar, Vol. 18, 1997
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Dieses Dokument stellt den vorläufigen Zwischenstand der Forschungsarbeiten zum Zeitpunkt seiner Verfassung dar. Für die endgültigen Ergebnisse der Forschungsarbeiten wird auf den Schlußbericht des Teilprojekts verwiesen.