Baustoffkreislauf
im Massivbau
aus
"Bauingenieur 10/97"
von:
| P. Grübl: | Professor
für Baustoffe, Bauphysik und Bauchemie am Institut für
Massivbau der Technischen Hochschule Darmstadt, Alexanderstr. 5, 64283 Darmstadt |
Zusammenfassung
Beim Abbruch von Bauwerken fallen erhebliche Mengen an Bauschutt an. Mit dem Forschungsvorhaben ,,Baustoffkreislauf im Massivbau" soll auf der Basis von grundlagenorientierten Untersuchungen abgeklärt werden, unter welchen Bedingungen die beim Abbruch von Bauwerken anfallenden mineralischen Baurestmassen möglichst vollständig bei der Erstellung von Neubauten wiederverwertet werden können. Die Untersuchungen erstrecken sich von der Planung von Gebäudeabbrüchen bis zur Herstellung von Bauwerken. Eine hochwertige Wiederverwertung ist nur dann möglich, wenn die technischen Abhängigkeiten bekannt sind und diese zu wirtschaftlichen Lösungen führen. Voraussetzung dafür sind verbindliche Regeln, die von den beteiligten Partnern akzeptiert werden müssen. Das Forschungsvorhaben soll die Erkenntnisse bereitstellen, die für die Erarbeitung einer Richtlinie zur Wiederverwertung von Baurestmassen für die Neuerstellung von Tragwerken des Massivbaus benötigt werden.
1.Einführung
Nach neuesten
Schätzungen werden je Kopf der Bevölkerung in den entwickelten
Industriestaaten im Durchschnitt jährlich 10 bis 20 Tonnen
Stoffe aus der Erdkruste benötigt, um die Infrastruktur aufrecht
zu erhalten und die persönlichen Lebensbedürfnisse zu decken.
Damit haben die Stoffströme zur Bedarfsbefriedigung heute
Dimensionen angenommen, die auf die Menge bezogen größer sind
als die Stoffströme aus Sedimentation und anderen natürlichen
Prozessen.
Ein Großteil dieser Stoffe gelangt direkt in den Bestand, d. h.
es erhöht sich das durch den Menschen nutzbare Volumen an
Gegenständen (Bild 1). Diesem Stoffgewinn
gegenüber steht ein nicht zu vernachlässigendes
Abfallaufkommen. Nach einer Erhebung der OECD (Organisation for
Economic Cooperation and Development) ergibt sich beispielsweise
für das Ende der 80er Jahre eine Gesamtmenge des Abfalles von
9000 Mio. Mg.
Obwohl inzwischen in vielen Staaten Maßnahmen zur Verminderung
des Abfallaufkommens eingeleitet worden sind, wächst die Menge
an festem Abfall weltweit jährlich weiter an. Wir dürfen
deshalb in unserem Bestreben nicht nachlassen, bestehende
Lösungen zu verbessern und neue zu schaffen, um die
Abfallbehandlung ökologisch und ökonomisch sinnvoll weiter zu
entwickeln. Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz setzt hier
neue Maßstäbe.

| Bild 1: | Stoffkreislauf und Bestand |
2. Forschungsvorhaben
Ein erheblicher Anteil am Abfallaufkommen stammt aus dem Baubereich (Bild 2 und Bild 3). Deshalb ist die Bauindustrie auf nationaler und internationaler Ebene in vielfältiger Weise an der Realisierung von Lösungskonzepten für den Umweltschutz beteiligt und selbst auch Träger von Entsorgungskonzepten. Der Deutsche Ausschuß für Stahlbeton initiierte ein Forschungsvorhaben zum Thema "Baustoffkreislauf im Massivbau". Es hat zum Ziel, durch grundlagenorientierte und anwendungsbezogene Forschungsarbeiten abzuklären, unter welchen Bedingungen die beim Abbruch von Bauwerken anfallenden mineralischen Bauabfälle möglichst vollständig bei der Erstellung von Neubauten wiederverwertet werden können. Damit lassen sich erhebliche Mengen von natürlichen Ressourcen von Sand und Kies schonen und der Deponiebedarf für Bauschutt entsprechend reduzieren.

| Bild 2: | Zusammensetzung des Abfallaufkommens in Deutschland | Bild 3: | Zusammensetzung des Abfalls aus der Bauwirtschaft |
Das Forschungsvorhaben, welches im Verbund zwischen Wissenschaft und Wirtschaft durchgeführt wird (Tabelle 1) und sowohl von der Wirtschaft als auch vom BMBF finanziert wird, soll Antworten auf grundlegende Fragen liefern, welche die Basis für die Erarbeitung von Richtlinien sind, mit denen die Wiederverwertung von Bauschutt für die Neuerstellung von Tragwerken des Massivbaues geregelt werden können. Vorhandene Rezykliermodelle, die bereits für bewegliche Güter und Produkte entwickelt worden sind und auch erfolgreich eingesetzt werden, um wiedergewonnene Stoffe in den Materialkreislauf zurückfließen zu lassen, können nur sehr bedingt auf den Bauschutt angewendet werden. Sowohl Verunreinigungen als auch Veränderungen der Struktur, die der Baustoff nach dem Abbruch gegenüber dem Ausgangsmaterial erfährt, sind rezyklierfeindlich. Ein hoher Grad der Wiederverwertung des beim Abbruch anfallenden Materials auf hohem Qualitätsniveau verlangt eine Berücksichtigung der Rezyklierbelange bereits beim Abbruch und bei der Aufbereitung.

| Tabelle 1: | Mitglieder des Forschungsverbundes Wissenschaft/Wirtschaft |
Das aus der
Aufbereitung stammende Material wird zum Ausgangsstoff für die
Betonherstellung. Betonzuschlag aus Abbruchmaterial, d. h.
rezyklierter Zuschlag, besitzt zum Teil andere Eigenschaften als
natürlicher Zuschlag. Deshalb weist auch der aus diesen
Materialien hergestellte Beton zum Teil entscheidende
Unterschiede zu Beton auf, der aus natürlichem Zuschlag
hergestellt wurde. So darf bis jetzt das bei einem Abbruch
gewonnene Material auch nach einer Aufbereitung nicht allgemein
zur Herstellung von tragenden Betonkonstruktionen verwendet
werden. Der Gesetzgeber läßt wegen der noch unbekannten Risiken
für die Sicherheit die Wiederverwertung im
standsicherheitsrelevanten Bereich nur in Ausnahmefällen zu.
Hierzu ist ein kosten- und zeitintensiver bauaufsichtlicher Akt
der Zustimmung im Einzelfall erforderlich. Daneben ist auch die
Erlangung eines Prüfzeichens für rezyklierten Zuschlag
möglich. Diese Situation ist dafür verantwortlich, daß das
heute bei Abbruch und Rückbau von Konstruktionen anfallende
Material so gut wie ausschließlich für untergeordnete
Bauaufgaben eingesetzt wird. Damit ist die Wiederverwertung von
rezykliertem Zuschlag im Massivbau heute sehr stark
eingeschränkt und mengenmäßig ohne Bedeutung.
Am 2. und 3. Juni 1997 fand am Institut für Massivbau der
Technischen Hochschule Darmstadt ein Statusseminar statt, auf dem
von den Forschungsnehmern aus dem Hochschulbereich und der
Wirtschaft über die Ergebnisse berichtet wurde, die bisher
während der jetzt einjährigen Laufzeit erarbeitet worden sind.
Die Vorträge orientierten sich an den Themenbereichen des
FuE-Vorhabens, welche alle Stufen des Stoffstromes umfassen.
Diese sind:
- Planung
- Abbruch/Rückbau
- Aufbereitung
- Zuschlag
- Beton
- Bemessung
- Bauwerkserstellung
Hinzu kommt die
Schaffung eines Informationssystems (Umsetzungshilfen).
3 Ergebnisse
Die Inhalte der
einzelnen Referate zu den jeweiligen Forschungsthemen werden
nachfolgend, ohne Nennung der forschenden Institution,
zusammengefaßt dargestellt.
3.1 Planung
Abbruch oder Rückbau
erfordert eine genaue Planung. Es werden Leitfäden erarbeitet,
die den Ingenieur bei seiner Arbeit unterstützten sollen. Ein
Leitfaden beschäftigt sich mit den Voruntersuchungen, ein
anderer mit den Rückbautechniken. Der Leitfaden für die
Voruntersuchungen befaßt sich mit der Beurteilung des Bauwerkes.
Hierzu sind vorhandene Unterlagen zu sichten und auszuwerten
hinsichtlich Bauweise, konstruktiver Merkmale, Abmessungen, Ver-
und Entsorgungseinrichtungen usw.. Weiterhin ist die
Nutzungsgeschichte des Bauwerkes zu betrachten. Fehlende
Unterlagen sind durch Erfassung vor Ort zu ergänzen. Bei der
Auswertung bereits durchgeführter Abbruchmaßnahmen zeigte sich,
daß zwischen umbautem Raum und der Abbruchmasse ein Zusammenhang
besteht. Hinweise über die zu erwartende Zusammensetzung der
Abbruchmasse sind statistisch nicht erkennbar. Durch
Gebäudebegehungen sind die anfallenden Abbruchmassen und ihre
Zusammensetzung und evtl. mit Schad- oder Störstoffen
kontaminierte Bereiche zu erfassen. Im Leitfaden für die
Voruntersuchungen werden für diese Erhebung die notwendigen
Prüf- und Analyseverfahren aufgelistet, und mit den zugehörigen
Richtlinien und gesetzlichen Bestimmungen komplettiert. Eine
Liste mit den Höchstmengen für die Schad- und Störstoffgehalte
des Bauschuttes sowie die benötigten analytischen
Schnellprüfverfahren sind Teilprojekte dieses FuE-Vorhabens.
Hierbei ist zu unterscheiden zwischen nichtflüchtigen und
flüchtigen Stoffen.
Gezielt mit Schwermetallen kontaminierte Betonproben wurden mit
gängigen analytischen Schnellprüfverfahren untersucht. Es
stellte sich heraus, daß die Zementmatrix einen nicht zu
vernachlässigenden Einfluß auf die Meßergebnisse ausübt. Auf
Grund des basischen Milieus des Zementsteines bilden die
Schwermetalle schwerlösliche Hydroxide. Eine einfache Elution
der Schwermetalle mit destilliertem Wasser weist deshalb zu
geringe Gehalte auf. In der sauren Elution wird soviel Matrix
mitgelöst, daß die hohen Calciumgehalte des Eluates zu große
Gehalte an Schwermetallen vortäuschen.
Der Leitfaden für die Durchführung des Abbruches zeigt dem
Planungsingenieur, welche Abbruchtechniken ihm zur Verfügung
stehen. Er enthält die erforderlichen
Genehmigungsvoraussetzungen mit den dazugehörigen
Standsicherheitsnachweisen, eine Auflistung relevanter
Prüfverfahren zur Ermittlung der Baustoffestigkeit, und
Informationen über Umweltbeeinträchtigungen durch die
Abbruchtechniken. Ergänzt wird er durch die Beschreibung von
kinematischen Zwischenphasen, welche beim Abbruch auftreten
können.
3.2 Abbruch und
Rückbau
Die Anforderungen an die
Durchführung von Abbruch- bzw. Rückbaumaßnahmen in dicht
besiedelten Gebieten werden immer höher. Umweltbelastungen in
Form von Erschütterungen, Staub- und Lärmbelästigungen sind zu
vermeiden. Die erforderlichen Schutzmaßnahmen und die
Einschränkungen bei den einsetzbaren Abbruchtechnologien haben
nicht unerheblichen Einfluß auf die Wirtschaftlichkeit.
Besonders zu behandeln sind kontaminierte Abbruchobjekte, z. B.
ehemals militärisch genutzte Gebäude oder Bauwerke der
chemischen Industrie. Zum einen sind die zu erwartenden
Umweltbelastungen durch den Abbruch größer als bei
nichtkontaminierten Bauteilen. Zum anderen muß kontaminiertes
Material von nichtkontaminiertem getrennt werden, um eine
höchstmögliche Verwertung des Bauschutts anzustreben. Mit den
herkömmlichen Abbruchmethoden kann diese Sortentrennung nicht
erreicht werden. Die Untersuchungen konzentrieren sich deshalb
auf die Verfahren Hochdruckwasserstrahltechnik, Lasertechnik,
Mikrowellentechnik, Hochspannungstechnik und Sprengtechnik.
Bisher wurde die Sprengtechnik genauer behandelt. Die Sprengung
wird sowohl im Labormaßstab, im Großversuch als auch durch eine
Modellierung der Druckwellenausbreitung im Stahlbeton untersucht.
Bei der Modellierung werden nicht nur die stoffgesetzlichen
Grundlagen einbezogen, sondern auch die Auswirkungen der
Sprengung auf die Umgebung (Bild 4). Die
Ergebnisse der Modellierung werden mit der Sprengung einer
Modellstütze unter Laborbedingungen verifiziert.

| Bild 4: | Mögliche Auswirkungen einer Sprengung auf die Umgebung |
Großversuche
umfaßten einen Bunker und eine Brücke. Dabei werden die
Einflüsse verschiedener Sprengtechniken auf die Stückigkeit des
entstehenden Abbruchgutes betrachtet. Neben den Sprengtechniken
werden zusätzlich die Sprengstoffmasse pro Volumeneinheit und
deren Verteilung variiert. Nach der Sprengung konnte der
angefallene Bauschutt mit einem Bagger abgebaut werden. Nur noch
wenige Stücke mußten vor dem Abtransport mit einer Betonschere
zerkleinert werden.
Bei der Brücke ist eine abschnittsweise Sprengung geplant, wobei
der gesprengte Abschnitt, bedingt durch die Forderung, den
Verkehr aufrecht zu erhalten, unverzüglich durch ein schon
fertiggestelltes Bauteil ersetzt werden soll.
Ein weiteres Teilprojekt in diesem Themenbereich befaßt sich mit
der Verwertung von Feinstteilen und Brechsanden, die beim Abbruch
aber auch bei der Aufbereitung anfallen und nicht zur Herstellung
von Beton geeignet sind, da diese die Eigenschaften des Frisch-
und Festbetons nachteilig verändern. Die Sande weisen wechselnde
Anteile von Ziegel, Kalksandstein, Gips, Porenbeton und Boden
auf. Es wird u. a. versucht, durch thermische Behandlung die
hydraulischen Eigenschaften wieder zu regenerieren und so eine
Verwertung zu ermöglichen.
3.3 Aufbereitung
Die Aufbereitung hat einen
entscheidenden Einfluß auf die Qualität des rezyklierten
Materials und damit auf den Umfang seiner Verwertung. Die
momentan verfügbaren Aufbereitungsmethoden und die eingesetzten
Anlagentechniken sind im Hinblick auf die zur Zeit übliche
Verwendung des aufbereiteten Materials im Straßen- und Wegebau
optimiert. Diese Verfahren sind mit dem Ziel zu modifizieren,
daß der durch die Aufbereitung eintretende Qualitätsverlust
minimiert wird. Hierbei ist zu klären, wie bei der Aufbereitung
Qualität und Zusammensetzung des Granulats im Hinblick auf die
spätere Verwendung gesteuert und kontrolliert werden können,
damit das erzeugte Material den Anforderungen entspricht.
In den einzelnen Teilprojekten dieses Themenbereiches werden der
Einfluß der Aufbereitung auf die Eignung der hergestellten
Granulate als Betonzuschlag, die Möglichkeiten der Untersuchung
des angelieferten Materials im Sinne einer Schnellprüfung im
Rahmen der Eingangskontrolle auf der Aufbereitungsanlage sowie
der Einfluß der eingesetzten Brechwerkzeuge auf die
Eigenschaften der hergestellten Granulate untersucht. Darüber
hinaus wird ein Meßsystem zur schnellen Überprüfung von
Recyclingmaterial hinsichtlich der Umweltverträglichkeit und ein
Verfahren zur hochwertigen Verwertung schwer rezyklierbarer
Baustoffe entwickelt.
Im Rahmen der Untersuchungen zum Einfluß der Autbereitung auf
die Eignung der hergestellten Granulate als Betonzuschlag werden
rezyklierte Zuschläge analysiert, bei deren Aufbereitung eine
zweistufige und eine vierstufige Windsichtung sowie eine
Naßaufbereitung eingesetzt wurden. Durch die Wahl der
Aufbereitung kann die Zusammensetzung der anfallenden Granulate
gesteuert werden. Durch eine Sortierung wurde ein Betongranulat
aus Altbeton höherer Festigkeit sowie ein Mischgranulat mit
erhöhtem Ziegelanteil hergestellt. An den einzelnen Rezyklaten
wurden Kenngrößen nach DIN 4226 und gemäß eines im
Forschungsvorhaben definierten Programmes ,,Prüfverfahren für
technologische Untersuchungen" bestimmt. Weiterhin werden
Betonierversuche durchgeführt, bei denen die Eigenschaften von
Betonen mit rezykliertem Zuschlag mit denen eines Referenzbetons
aus natürlichem Zuschlag verglichen werden.
Die Untersuchungen zur Schnellprüfung des angelieferten
Materials im Rahmen der Eingangskontrolle gliedern sich in zwei
Schwerpunkte. Zum einen wird die Bestimmung der Druckfestigkeit
des angelieferten Altbetons behandelt, zum anderen die
Schnellprüfung auf vorhandene Kontaminationen durch organische
Schadstoffe. Als Verfahren für die zerstörungsfreie Bestimmung
der Betondruckfestigkeit wurde der Rückprallhammer aufgrund
seiner im Vergleich zu anderen Methoden leichten Handhabbarkeit
und der schnellen Durchführbarkeit der Prüfung ausgewählt. Die
Versuchsergebnisse zeigen, daß die Unterscheidung von Betonen
unterschiedlicher Festigkeit möglich ist, wenn eine ausreichend
große Anzahl an Prüfschlägen mit anschließender statistischer
Auswertung durchgeführt wird (Bild 5).
Sämtliche zur Verfügung stehenden Oberflächen sollten
untersucht werden, um Einflüsse der Betonierrichtung auf die
Ergebnisse der Prüfung zu kompensieren.

| Bild 5: | Statistische Auswertung der Rückprallwerte von Betonen dreier verschiedener Festigkeitsklassen |
Eine Zuordnung des
eingelieferten Betons zu den Festigkeitsbereichen hoch, mittel
und gering ist somit möglich. Zur Bestimmung von organischen
Schadstoffen wurde ein immunologisches Schnelltestverfahren, das
nach dem Prinzip des kompetitiven Enzymimmunoassays arbeitet, auf
seine Anwendbarkeit für die Eingangskontrolle hin überprüft.
Es zeigte sich, daß es mit dieser Testmethode möglich ist, mit
einem Zeitaufwand von ca. 30 Minuten eine halbquantitative
Aussage über den Schadstoffgehalt einer Probe zu treffen.
Die Untersuchungen zum Einfluß des Brechwerkzeuges auf die
Eigenschaften von rezyklierten Granulaten gliedern sich in drei
Teilschritte. Zunächst wurden insgesamt 960 Probekörper aus
zwei unterschiedlichen Festigkeitsklassen hergestellt, um ein
definiertes und gleichmäßiges Ausgangsmaterial für den
nachfolgenden Brechvorgang zu erhalten. Die Aufbereitung der
Probekörper zu Granulaten erfolgt dann unter Verwendung
unterschiedlicher Brechwerkzeuge. Die so erzeugten Rezyklate
werden hinsichtlich ihrer Eignung für Beton gemäß DIN 1045
analysiert und bewertet.
3.4 Zuschlag
In den beim Rückbau von
Gebäuden bzw. Tragwerken anfallenden Altbeton- und
Bauschuttmassen können sich Stör- und Schadstoffe in
unterschiedlichen Mengen ansammeln. Schadstoffe sind
auszuschließen. Störstoffe können nur insofern zugelassen
werden, wie sie die Betoneigenschaften nicht nachteilig
verändern.
Eine Forschungsarbeit befaßte sich hierbei mit der Frage, wie
das bei der Aufbereitung von Altbeton anfallende Granulat
hinsichtlich seiner Eignung als Betonzuschlag bewertet werden
kann. Hierzu wurden definierte Betone hergestellt und mit einer
Laborprallmühle zerkleinert. Allgemeine und mechanische
Festigkeitsuntersuchungen an Grobzuschlägen aus qualitativ
minderwertigem Altbeton (B 10) liefern Werte, die eine Verwendung
des Zuschlags im Straßenbau ausschließen, eine Verwendung für
Beton nach DIN 1045 jedoch zulassen.
In einer weiteren Untersuchung geht man der Frage nach, welche
Randbedingungen formuliert werden müssen, damit man aus
heterogenen Bauschuttgemischen Recyclingmaterialien in
gleichmäßiger Qualität erhält. Hierbei ist besonderes
Augenmerk auf die verwendete Aufbereitungstechnologie zu legen.
So konnte gefunden werden, daß bei Anlagen, die von ihrer
Grundkonzeption zwei verfahrenstechnische Bereiche aufweisen, d.
h. einen trockenen Bereich, der in klassischer Weise arbeitet und
Bauschutt und Boden separiert, zerkleinert und klassiert, und
einen nachgeschalteten nassen Bereich, der eine Naßsiebung, eine
Kieswäsche und einen Aquamator besitzt, die Abscheidung von
Stör- und Schadstoffen aus dem aufzubereitenden Material am
effektivsten ist. Weitere Forschungsergebnisse gaben ein Bild
über das Wassersaugvermögen von aus Bauschutt hergestelltem
Zuschlag (Bild 6). Der Einfluß der Rohdichte
auf das Wassersaugvermögen des Materials ist deutlich zu
erkennen. Bei der Erstellung einer Betonrezeptur ist das Wissen
um das Saugverhalten des Zuschlags von Wichtigkeit, um das
gegenüber Beton aus Naturzuschlag unterschiedliche
Ansteifverhalten kompensieren zu können.

| Bild 6: | Wassersaugvermögen von aus Bauschutt hergestelltem Zuschlag |
Weitere
Untersuchungen beschäftigten sich mit der Ermittlung des
Schlagzertümmerungswertes von aufbereitetem Abbruchmaterial. Mit
Hilfe dieses Kennwertes können Aussagen über das Verhalten des
Materials beim Mischvorgang getroffen werden. Es wurde gezeigt,
daß bei steigendem Schlagzertrümmerungswert ein zunehmender
Abrieb der Körner während des Mischvorganges stattfindet.
3.5 Beton
Betone, die unter Verwendung
von rezykliertem Zuschlag hergestellt werden, weisen andere
Frisch- und Festbetoneigenschaften auf als Betone aus
Naturzuschlag. Angestrebt werden muß, daß Betone aus
natürlichem und rezykliertem Zuschlag in gleicher Weise
behandelt werden können. Viele der Eigenschaften, die ein Beton
aufweisen soll, werden bei definierten Eigenschaften der
Ausgangsstoffe durch Vorgaben für die Zusammensetzung
sichergestellt.
Es wurden Ergebnisse eines Vorhabens präsentiert, das sich mit
dem Einfluß von rezykliertem Zuschlag aus Altbeton auf die
Eigenschaften des Betons beschäftigte. Es wurde gezeigt, daß
sich bei steigendem Anteil an Betonbrechsand die Verarbeitbarkeit
des hergestellten Betons verschlechtert und der Luftgehalt sinkt.
Die Druck- und Spaltzugfestigkeiten des Betons wurden aber nur
unwesentlich beeinflußt. Ein weiteres Vorhaben beschäftigt sich
mit dem Einfluß von rezykliertem Zuschlag auf die Frisch- und
Festbetoneigenschaften und stellte u. a. den abgebildete
Festigkeitsverlauf (Bild 7) eines B 35 mit
rezykliertem Zuschlag vor.

| Bild 7: | Festigkeitsverlauf eines aus rezykliertem Zuschlag hergestellten Betons der Güte B35 |
Mit Blick auf die Verwendung des aufbereiteten Materials für die Herstellung von Transportbeton wurde das Ansteifverhalten von Beton mit rezykliertem Zuschlag untersucht. Das durch das Wassersaugen hervorgerufene Ansteifen des Frischbetons und die damit verbundene Verschlechterung der Verarbeitbarkeit kann durch den Einsatz von Fließmittel (FM) kompensiert werden (Bild 8).

| Bild 8: | Ansteifverhalten eines mit rezykliertem Zuschlag hergestellten Betons |
Weiterhin wurden
Ergebnisse von Forschungsarbeiten vorgestellt, die sich mit dem
Mehrfachrecycling von Beton beschäftigten. Es wurde gezeigt,
daß die Gesamtporosität von Beton aus rezykliertem Altbeton von
der Porosität und dem w/z-Wert des Altbetons abhängig ist. Mit
zunehmenden Rezyklierzyklen tritt eine Abnahme des E-Moduls auf.
Untersuchungen zum Einfluß von Gips im rezyklierten Zuschlag auf
die Frisch- und Festbetoneigenschaften belegten, daß bei
steigender Calciumsulfatkonzentration eine Zunahme der Ausdehnung
bei Wasserlagerung während der Erhärtung sowie eine erhöhte
Schwindverformung zu erwarten ist. Durch die Zugabe von 4%
Stückgips zum Zuschlag tritt eine Steigerung der Druckfestigkeit
des damit hergestellten Betons gegen über einem Gehalt von 2%
sowie 0% auf.
3.6 Bemessung
Im Hinblick auf die Bemessung von Stahlbetonbauteilen, die mit
Beton unter Verwendung rezyklierten Zuschlags hergestellt werden,
müssen die bemessungsrelevanten Eigenschaften des Betons
beurteilt werden. Ziel ist es, auf der Basis der bestehen den
Vorschriften zu einem einheitlichen Gesamtkonzept zur Bemessung
von Konstruktionen aus Beton mit natürlichem und rezykliertem
Zuschlag zu kommen.
In einem Vorhaben werden mit
der Betondruckfestigkeit als Bezugsgröße die Verformungswerte
für Elastizitätsmodul und Grenzdehnung sowie zum
Rotationsvermögen abgeleitet. Es wurde versucht, das
Ausgangsmaterial hinsichtlich seiner Schlagfestigkeit und
Druckfestigkeit in drei Kategorien, einen hochfesten,
mittelfesten und niedrigfesten Anteil, zu unterteilen, wobei aus
der prozentualen Verteilung der Anteile auf die
bemessungsrelevanten Eigenschaften des Betons geschlossen werden
soll. Bei Versuchen an Beton mit rezykliertem Zuschlag aus
Altbetonsplitt wurde im Vergleich zum Referenzbeton eine
geringfügige Zunahme der Bruchstauchung mit steigender
Festigkeit beobachtet. Außerdem wies der Beton mit rezykliertem
Zuschlag eine etwas geringere Völligkeit der
-
-Linie sowie eine
Abnahme der Zugfestigkeit auf, was im Gegensatz zu der
Beobachtung bei Beton mit gebrochenem Naturzuschlag steht. Im
weiteren Verlauf des Forschungsprojektes werden die beobachteten
Abweichungen zum Verhalten von Normalbeton eingehender
untersucht, um so Rückschlüsse auf das Tragwerksverhalten
ziehen zu können. Mit einem weiteren Teilprojekt zur
Untersuchung des Schwind- und Kriechverhaltens von Beton aus
rezykliertem Zuschlag wurde erst begonnen.
Weitere Untersuchungen beleuchten die Sicherheitsaspekte bei der
Bemessung von Stahlbetonbauteilen aus Beton mit rezykliertem
Zuschlag. Ausgehend vom Sicherheitsindex ß als Grenzwert der
Versagenswahrscheinlichkeit, der in Abhängigkeit des
Bewehrungsgrades und der Belastungskombination gesehen wird,
werden die zulässigen Toleranzen definiert. Da noch keine
gesicherten Aussagen zur Streuung der Druckfestigkeit von Beton
mit rezykliertem Zuschlag vorliegen, wurden die Untersuchungen
mit angenommenen Verteilungen durchgeführt. Um bei einer
größeren Streuung der Verteilung der Druckfestigkeit von Beton
mit rezykliertem Zuschlag gleiche Sicherheiten wie beim
Normalbeton zu erhalten, müssen der Mittelwert fcm
und der charakteristische Wert fck erhöht werden (Bild
9).

| Bild 9: | Einfluß der Streuung der Druckfestigkeit auf den Sicherheitsindex ß bei Stahlbeton |
3.7
Bauwerkserstellung
Im Rahmen eines
Demonstrationsbauvorhabens wird Beton mit rezykliertem Zuschlag
zum Einsatz kommen. Bei dem Objekt handelt es sich um ein
Verwaltungsgebäude in Darmstadt mit einem umbauten Raum von 4000
m3 (Bild 10). Der Bauträger ist die
Bauverein AG, Darmstadt. Im vorderen Gebäudeabschnitt ist Beton
der Betongüte B 35, zum Teil in Sichtbetonqualität, für die
Stützen, Wände und Decken vorgesehen. Der Beton wird unter
Verwendung von rezykliertem Zuschlag, der aus aufbereitetem
Betonbruch besteht, hergestellt.
Desweiteren werden anhand eines komplexen Abbruchobjektes
Untersuchungen der Verfahrenstechniken des konventionellen
Abbruchs und des selektiven Rückbaus zu einer Evaluierung der
Kosten und des Nutzens durchgeführt.

| Bild 10: | Ansicht des Bauwerks, das zum Teil unter Verwendung von Beton aus rezykliertem Zuschlag hergestellt wird |
3.8 Umsetzungshilfen
Mit diesem Thema befassen sich zwei Forschungsarbeiten. Einmal
handelt es sich dabei um die strukturierte Speicherung aller in
diesem Projekt erarbeiteten Informationen in einer Datenbank. Die
Ergebnisse in Form von Endberichten werden im Internet unter der
Adresse ,,http://www.B-i-M.de" angeboten. Dies ermöglicht
allen Projektbearbeitern eine schnelle und direkte Kommunikation
untereinander, bietet aber auch der Fachöffentlichkeit
Gelegenheit zur Information. Außerdem werden in einem
nichtöffentlichen Teil Zwischenergebnisse niedergelegt. Ein
Suchsystem soll einen direkten und zeitsparenden Zugriff auf die
in der Datenbank gespeicherten Informationen ermöglichen. Ein
zweites Teilprojekt befaßt sich mit der Erstellung eines
Expertensystems. Es soll als Entscheidungshilfe bei der Umsetzung
des in diesem Forschungsvorhaben erarbeiteten Wissens in die
Praxis herangezogen werden. Dieses System ist erst im Aufbau. Zur
Erstellung der Programm-Module werden die Programmiersprachen
Java und JavaScript verwendet.
4 Ausblick
Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens sollen dazu beitragen, eine Richtlinie zu erarbeiten mit der die Verwertung von aufbereiteten Abbruchmaterialien für die Herstellung von Beton nach DIN 1045 bzw. Eurocode 2 allgemein geregelt wird. Ein Arbeitsausschuß des Deutschen Ausschuß für Stahlbeton hat bereits mit den Beratungen begonnen, um möglichst zeitnah zu den Untersuchungen diese Aufgabe abwickeln zu können. Diese Richtlinie ist gleichzeitig eine wesentliche Vor aussetzung dafür, daß die bauende Industrie ihrer, im Rahmen des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes gegenüber der Bundesregierung abgegebenen Selbstverpflichtung bezüglich der Verwertungsquote nachkommen kann. Über die Richtlinienarbeit wird die Fachöffentlichkeit zu Beginn des Jahres 1998 im Rahmen eines weiteren Statusseminars unterrichtet werden.