Forschungsvorhaben
"Baustoffkreislauf im Massivbau"
Teilvorhaben 2 "Erprobung
und Optimierung"
Teilprojekt B 05 "Spengtechnischer Abbruch" (FKZ
01-ZB-9506/B 05)
- Ergebnisbericht für das Statusseminar
am 2. und 3. Juni 1997 in Darmstadt -
Dr. H.-U. Freund
| 1. | Charakterisierung sprengtechnischer Abbruchverfahren |
Beim sprengtechnischen Abbruch werden zwei unterschiedliche Verfahren eingesetzt, die sich in der Vorgehensweise und damit auch hinsichtlich Erzeugung des Bruchmaterials grundsätzlich unterscheiden:
| - | Kipp- und Kollapssprengung von
Hochbauten |
| - | Teilabbruchsprengung bzw. schrittweise Abbruchsprengung von Hochbauten und anderen massiven Betonstrukturen |
Die sprengtechnische Zerlegung von Beton
und Mauerwerk geschieht in beiden Fällen mittels
Bohrlochsprengladungen, das Trennen von Stahlträgern mittels
aufgelegtem Sprengstoff durch Scherwirkung, seit einigen Jahren
ebenfalls durch Schneidladungen (projektilbildende
Sprengladungen).
| 1.1 | Sprengtechnisch ausgelöster,
gezielter Gebäudeeinsturz |
| 1.1.1 | Kippsprengung |
Bei der Kippsprengung wird im
Fundamentbereich oder in den untersten Geschossen durch
gleichzeitiges Sprengen von Stützen der Kraftschluß an
ausgewählten Stellen abrupt unterbrochen, um das Bauwerk in eine
vorgegebene Richtung zum Kippen zu bringen. Dabei wird ein Keil,
auch Sprengmaul genannt, in die untersten Etagen des
Abbruchobjektes gesprengt. Hierdurch wird der verbleibende,
geschwächte Querschnitt so stark auf Biegedruck und Biegezug
beansprucht, so daß er versagt und das Bauwerk umstürzt.
Die Zertrümmerung der Baustruktur
geschieht dabei - abgesehen von dem herausgesprengten Keil -
durch die Fallenergie. Der Zertrümmerungsgrad hängt von der
Bauhöhe ab.
| 1.1.2 | Kollapssprengung |
Bei der Kollapssprengung wird das Bauwerk
zum vertikalen Einsturz gebracht ("stehendes
Haufwerk"). Um den Kollaps herbeizuführen, müssen tragende
Stützen und Wände in mehreren Etagenebenen über 1-2 Geschosse
zum richtigen Zeitpunkt sprengtechnisch getrennt bzw. ihre
Verformungssteifigkeit stark geschwächt werden, damit das
Bauwerk in sich zusammenfällt und nicht nach einer Seite
überkippt.
Die Zertrümmerung der Baustruktur geschieht dabei, abgesehen von den gesprengten Etagen, durch die Fallenergie.
Das Verfahren, das technologisch
aufwendiger als Kippsprengen ist, wurde in Deutschland bisher nur
wenige Male angewandt.
| 1.2 | Teilabbruchsprengung |
Beim Teilabbruchsprengen wird das zur
Zerlegung vorgesehene Bauwerk bzw. Bauwerkstück in Abschnitten
gesprengt. Die jeweils eingesetzte Sprengstoffmenge wird durch
die tolerierbare Umgebungsbelastung begrenzt.
In folgenden Fällen wird Teilabbruchsprengen als geeignetes Verfahren eingesetzt:
| - | Abriß von Gebäudebereichen mit
dem Ziel, Platz für notwendige Umbaumaßnahmen zu
treffen und |
| - | stufenweiser Rückbau von Betonstrukturen, bei denen z.B. aus Gründen der Umweltbelastung, z.B. bei dichter Bebauung in unmittelbarer Umgebung, der sprengtechnische Abbruch nicht als Ganzes, sondern in einzelnen kleinen Schritten mit reduzierter Sprengstoffmenge vorgenommen werden muß. |
| 1.3 | Einfluß der Sprengparameter auf die Stückigkeit |
Die Stückigkeit des Bruchgutes wird beim
Kipp- und Kollapssprengen und Teilabbruchsprengen durch
unterschiedliche Einflußgrößen bestimmt. Untersuchungen hierzu
werden gemeinsam mit den Teilvorhaben B/06 und B/07
durchgeführt.
| 1.3.1 | Stückigkeit bei Kipp- und Kollapssprengung |
Die Stückigkeit hängt, abgesehen vom
angesprengten Sprengbereich, bei der Kippsprengung von der
Struktursteifigkeit und der Fallhöhe ab, die Sprengparameter
sind daher von untergeordnetem Einfluß. Nachzerkleinerung vor
Ort, u.a. zur Materialtrennung Stahl/Beton, ist i.d.R.
erforderlich.
| 1.3.2 | Stückigkeit beim Teilabbruchsprengen |
Beim Teilabbruchsprengen wird der
abzubrechende Bauwerksbereich wesentlich durch die
Sprengeinwirkung zerkleinert. Der mittlere Zerkleinerungsgrad des
Gesamtbereichs hängt von der spezifischen Beladung
[Sprengstoffmasse pro Volumeneinheit] ab.
Die Größenverteilung ist ferner durch folgende Parameter mitbestimmt
| - | Geometrie des Bohrlochrasters |
| - | Abmessungen des angesprengten Bauteils (Geometrie der freien Oberflächen). |
Dies wird an den beiden derzeit einbezogenen Sprengobjekten untersucht. Erste Ergebnisse liegen vor.
| 1.3.3 | Einfluß auf die Praxis des sprengtechnischen Abbruchs |
Bei den derzeit untersuchten
Teilabbruchsprengungen wird aus Gründen der Minimierung der
Umgebungbelastung die spezifische Beladung so gering gewählt,
daß der Baukörper teils zerlegt, teils als rissiger,
zerrütteter Bereich stehenbleibt (sog. Lockerungssprengung). Der
verfahrenstechnische Vorteil liegt im minimalen Auswurf. Ferner
ist die Staubemission gering.
Das Ausbrechen aus dem ggf. vorhandenen
Bewehrungsnetz läßt sich mit geringem Aufwand mittels
Hydraulikmeißel oder Preßlufthammer erledigen.
Eine Nachzerkleinerung geschieht mit
mobilem Crusher auf der Baustelle oder auf der Deponie.
| 2. | Auswahl der Sprengobjekte mit den Partnerfirmen Werner und Roller (Teilobjekte B/06 und B/07) |
Mit den beiden Partnerfirmen wurde je ein
Sprengobjekt als geeignet ausgewählt. Der Abbruch, als
gewerbliches Großprojekt, ist noch im Gange (Teilprojekt B/07)
bzw. abgeschlossen (Teilprojekt B/06).
In den Teilberichten zu B/06 und B/07 wird
eine kurze Beschreibung der Sprengobjekte und des
Abbruchvorgehens gegeben.
Für die Auswahl der Objekte waren folgende
Gesichtspunkte ausschlaggebend:
| 1. | Der gesamte
abzubrechende Beton wird durch Sprengbelastung zerlegt.
Die mechanischen Eigenschaften des Abbruchgutes liefern
Aussagen über eine evtl. Qualitätsminderung durch die
spreng-charakteristischen Materialspannungen. Die theoretische und experimentelle Ermittlung dieser transienten Materialspannungen an ausgewählten Betonstrukturelementen erfolgt im Rahmen des Teilprojektes B/02 (Prof. Eibl). |
ferner objektbezogen:
| 2. | Objekt
Hafenstraße-Unterführung, Frankfurt/Main (B/07) Der Abbruch geschieht durch
wiederkehrende Sprengungen nahezu identischer Strukturen,
durchgeführt über einen längeren Zeitraum. Damit können Einflüsse
geänderter Sprengparameter bei gleichbleibenden
Struktur-Randbedingungen untersucht werden. |
und
| 3. | Objekt Hochbunker, Hamburg (B/06) Die Bausubstanz, kontaminationsfreier Massivbeton, bietet die Möglichkeit, unverblendetes Betonbruchmaterial - auch im Feinbereich - herzustellen sowie (unter Einhaltung der Sicherheitsauflagen auf der Baustelle) den Einfluß geänderter Sprengparameter auf die Qualität des Abbruchgutes zu untersuchen. |
| 3. | Ergebnisse |
| 3.1 | Abbruchobjekt Hochbunker, Hamburg |
Bewertung des Ausgangsmaterials
Die Betonstrukturen sind
kontaminationsfrei, die Betonqualität (vor-Ort-Messungen der
Druckfestigkeit) liegt bei 39 N/mm2. Untersuchungen an
Bohrkernproben werden gegenwärtig im Rahmen von B/02
durchgeführt.
Haufwerkstückigkeit: Einfluß der
Sprengparameter
Im fundamentnahen Kernbereich des Bunkers
wurde eine Versuchsserie mit geänderten Sprengparametern
durchgeführt und die Haufwerkstückigkeit gemessen. Die
Ergebnisse liegen vor, sie folgen dem Trend früherer
F&E-Versuche an Betonplatten.
| 3.2 | Abbruchobjekt Hafenstraße-Unterführung, Frankfurt/Main |
Bewertung des Ausgangsmaterials
Die Abbruch-Strukturen sind
oberflächenkontaminiert, das Material besteht aus Beton,
Stahlbeton und zu einem wechselnden aber geringen Anteil aus
Ziegelmauerwerk.
Bewertung der Vorgehensweise
Der Ablauf wird diktiert durch die Folge
von Sprengabbruch und zeitlich unmittelbar folgendem
vorgefertigtem Neubau der Teilbereiche.
Die Bruchstückgrößenverteilung im
grobstückigen Bereich wurde an vier Teilsprengungen untersucht.
Die Zuordnung zu den variierenden Sprenglochrastern bei
gleichbleibender spezifischer Beladung zeigt innerhalb der
Streubreite keine signifikanten Abhängigkeiten.
| 4. | Bezug zu anderen Teilprojekten |
Neben der engen Kooperation mit B/06 und B/07 ist mit dem Teilprojekt B/02 eine Kooperation zu folgenden Arbeitspunkten im Gange:
| - | Festigkeits-Analyse von
Betonproben, derzeit: Abbruchobjekt Hochbunker, Hamburg |
| - | Spreng- und meßtechnische Auslegung von Grundlagen-Versuchen an Stahlbetonelementen (Durchführung: B/02). |