Beton im Stoffkreislauf
Harald Budelmann, Bernd Dora

| Das Wirtschaften
In Stoffkreisläufen muss ein Ziel zukünftiger Bauweisen sein. Ansätze zum Schließen des
Stoffkreislaufes für den mineralischen Baustoff Beton werden aufgezeigt.
Es werden sowohl die gegenwärtigen gesetzlichen Regelungen vorgestellt,
wie auch aktuelle Forschungsergebnisse zum Einsatz von Betonsplitt und
Betonbrechsand als Zuschlag oder Bindemittel im Beton dargestellt. |
Einleitung
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| Abb. 1: Stoffkreisläufe
eines Bauwerks (Prinzipskizze) |
Sustainable Development steht seit der Weltumweltkonferenz von Rio de Janeiro 1992 als Vision für
einen ressourcenschonenden und abfallarmen Umgang mit Stoffen. Nachhaltigkeit ist im Bauwesen nicht neu, schließlich
wird der Baustoff Holz als nachwachsender Rohstoff seit jeher bewirtschaftet.
Zu den nicht erneuerbaren Ressourcen gehört der weit überwiegende Teil der
klassischen Konstruktionsbaustoffe, gehören alle metallischen und mineralischen Baustoffe.
Ziel muss es sein, auch diese in Stoffkreisläufen zu halten.
Im Oktober 1996 ist das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz
in Kraft getreten [1]. Dessen übergeordnetes Ziel ist, den Rohstoffeintrag und den
Abfallaustrag in den Bauwerkslebensphasen durch weitgehende Verwertung gering
zu halten. Alle Rückstände sind nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz Abfälle,
möglichst zur Verwertung. Die stoffliche Verwertung führt nach einer Aufbereitung
wieder in die Baustoffherstellung. Voraussetzung dafür ist eine hochwertige Aufbereitung
(Sortieren, Zerkleinern, Klassieren etc.) zu einer primärstoffvergleichbaren
Qualität, zum Beispiel Betonbruch zu Betonzuschlag.
Regelungen
des Einsatzes von Bauschutt
Entsprechend der möglichen Vielfalt der Zusammensetzung hat
der Straßenbau Wiederverwertungsmöglichkeiten für aufbereiteten mineralischen
Bauschutt definiert, die von einfachen Verfüllungen bis zu Trag- und Deckschichten
reichen, Abb. 2.
Insgesamt kennzeichnend für den heutigen Einsatz von Recyclingbaustoffen
im Straßenbau ist deren fast durchweg gegenüber der Erstverwertung geringwertigere
Nutzung (Downcycling), meist als Schüttgut.
Demgegenüber ungünstiger stellte sich bisher die Situation
des Einsatzes von aufbereitetem mineralischem Bauschutt als Zuschlagmaterial
für Betonwaren und für Beton nach DIN 1045 dar. Da selbst reiner Betonbruch
aus besonders festem Altbeton nicht alle Anforderungen für Betonzuschlag nach
DIN 4226 erfüllen kann, war eine generelle Einsetzbarkeit nicht gegeben. Für
einige Betonwaren war der Einsatz von aufbereitetem Betonbruch aus Ausschussproduktion
möglich und üblich.
Sollte aufbereiteter Bauschutt für Beton nach DIN 1045 verwendet
werden, musste nach dem Regelungsstand bis August 1998 in Deutschland entweder
eine Zustimmung im
Einzelfall für den Beton eines Bauvorhabens eingeholt werden oder vom
Aufbereitet für sein Produkt eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung erworben
werden. Im August letzten Jahres hat der Deutsche Ausschuss für Stahlbeton
DAfStb die Richtlinie »Beton mit rezykliertem Zuschlag« herausgegeben [2]. Mit gewissen Einschränkungen ist jetzt ein Einsatz von Betonsplitt
und -sand in Konstruktionsbeton nach DIN 1045 möglich, Tabelle 1. Jedoch ist die Richtlinie
als vorläufig anzusehen, da sie nach Abschluss laufender Forschungsvorhaben
im Laufe dieses Jahres überarbeitet und erweitert werden soll.
Es ist zu erwarten, dass die heutigen Höchstanteile an rezykliertem Zuschlag
erhöht sowie neben Betonsplitt und Betonbrechsand weitere Sekundärzuschläge
zugelassen werden.
| Abb 2: Einsatzgebiete
für Bauschutt |

| Tab.1: Höchstanteile
rezyklierten Zuschlags, bezogen auf den Gesamtzuschlag nach DAfStb-Richtlinie
>>Beton mit rezykliertem Zuschlag<< |
Betonsplitt
als Zuschlag für Konstruktionsbeton
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| Abb. 3: Druckfestigkeit
von Recyclingbeton in Abhängigkeit von der Betonfestigkeitsklasse
des Betonsplitts |
Eine hochwertige Wiederverwertung von Bauschutt aus Betonbauwerken,
die gegebenenfalls auch mehrfach möglich sein soll, erfordert, dass dieser
möglichst geringe Zementsteinanhaftungen aufweist und dass der Anteil von
Fremdstoffen gering ist. Diese Forderungen richten sich an den Rückbau und den Aufbereitungsprozess.
Die erreichbaren Eigenschaften von Beton mit Recyclingzuschlag sind schon
seit etwa 30 Jahren Forschungsgegenstand. Bis auf wenige Ausnahmen war es das Ziel der durchgeführten
Arbeiten, die Leistungsfähigkeit von Recyclingbeton an ausgewählten Betonmischungen mit realem
Betonbruch beziehungsweise
Bauschutt zu zeigen. So war insgesamt zwar ein großer Kenntnisstand entstanden,
grundlegende Zusammenhänge und abgesicherte Entwurfsempfehlungen
konnten aber kaum abgeleitet werden, da die Materialien und Versuchsbedingungen
nicht vergleichbar oder lückenhaft dokumentiert sind.
Jüngere Forschungsarbeiten
[3,4] sind in systematischen Untersuchungen
deshalb den prinzipiellen
Zusammenhängen zwischen den Eigenschaften aufzubereitenden Altbetons,
auch mit fremden Stoffbeimengungen, den Eigenschaften aufbereiteten Recyclingzuschlagmatenals
in Abhängigkeit vom Aufbereitungsverfahren und schließlich den Eigenschaften
daraus hergestellter Recyclingbetone nachgegangen. In [4] wurden gezielt Altbetone hergestellt und im Alter von mindestens 180 Tagen in Versuchsanlagen
sowie auch in industriellen Anlagen aufbereitet. Eigenschaften und Eigenschaftszusammenhänge
des aufbereiteten
Recyclingzuschlages
wurden untersucht,
Anforderungen an die Aufbereitungsverfahren abgeleitet. Aus solchen wohldefinierten
Recyclingzuschlägen wurden schließlich Recyclingbetone hergestellt und deren Verarbeitungs- und Festbetoneigenschaften studiert.
Die Festigkeitsklasse des Altbetons, der zu Recyclingzuschlag
aufbereitet wird, hat erwartungsgemäß einen Einfluss auf die Druckfestigkeit
daraus hergestellten Recyclingbetons. Abb. 3 zeigt die Druckfestigkeit von
Recyclingbeton im Alter von 28 Tagen, dessen Zuschläge > 4 mm ausschließlich
im Prallbrecher gewonnener Betonsplitt aus Beton unterschiedlicher Festigkeit
sind. Die Recyclingbetone wurden jeweils so zusammengesetzt, dass bei Verwendung
von Primärzuschlag bestimmte Festigkeitsklassen zu erwarten waren. Die an
den Recyclingbetonen ermittelten Druckfestigkeiten wurden bezogen auf die
Druckfestigkeit von ansonsten identisch zusammengesetzten Primärzuschlagbetonen.
Es ist erkennbar, dass mit zunehmender Altbetongüte des Recyclingzuschlages
dessen Einfluss auf die Druckfestigkeit des Recyclingbetons abnimmt. Aus hochwertigen
Altbetonen (B 25 bis B 45) können praktisch ohne zusätzliche Maßnahmen Betone
der Festigkeitsklassen B 15 bis B 35 hergestellt werden [5).
Der dem Betonsplitt anhaftende Zementsteingehalt ist von entscheidender
Bedeutung für die Eigenschaften von Recyclingbeton, wie Abb. 4 für die Biegezugfestigkeit
im Alter von 28 Tagen zeigt. Die Altbetongüte des Betonsplittes war B 35,
der Recyclingbeton wurde mit gleichem Zementgehalt und Wasserzementwert hergestellt.
Die Wasseraufnahme des Betonsplittes ist ebenfalls deutlich vom anhaftenden
Zementsteingehalt abhängig, Abb. 5. Nach heutigem Kenntnisstand kann die Wasseraufnahme
des Betonsplittes, also eine leicht zu ermittelnde Größe, als Beurteilungsgröße
für die Eignung eines Betonsplittes zur Verwendung als Betonzuschlag herangezogen
werden.
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| Abb.
4: Biegezugfestigkeit von Recyclingbeton in Abhängigkeit vom Zementsteingehalt
des Betonsplitts |
Abb.
5: Wasseraufnahme von Betonsplitt > 4 mm aus B 25 in Abhängigkeit
vom Zementsteingehalt des Betonsplitts |
Betonbrechsand als Bindemittel und Zusatzstoff
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| Abb. 6: Druckfestigkeit
temperaturbeanspruchter Stoffgemische (Prismen, w/z = 0,5, Alter: 7d) |
Beim Zerkleinern von Bauschutt fallen mindestens 20 Prozent
als Brechsand mit Korndurchmessern kleiner als 2 mm an. Je besser zum Beispiel
der Aufschlussgrad beim zerkleinern von Betonbruch ist, desto größer
ist der Sandanteil und desto größer ist der enthaltene Anteil an Zementstein.
Derartiger bindemittelreicher Brechsand ist heute kaum wiederverwertbar und wird meist deponiert.
In den letzten Jahren wurden Wiederverwertungsmöglichkeiten untersucht, die
aber bisher nicht zu leistungsfähigen Recyclingprodukten führten.
Ein vielversprechender Weg könnte die Temperaturbehandlung
zum Beispiel von Betonbrechsand im Temperaturbereich unterhalb von 1000°C
sein. Ab 600°C
beginnen Dehydratisierungs- und Dekarbonatisierungsvorgänge des
Zementsteins, in deren Verlauf einerseits Freikalk entsteht und andererseits
Phasenneubildungen ablaufen. So entstehen große Mengen Belit in Festkörperreaktionen
unter Einbindung des Freikalkes bis etwa 90°C so gering, dass Kalktreiben
offenbar nicht zu befürchten ist.
Abb. 6 zeigt, dass unterschiedliche Gemische, nach einer Temperaturbeansprucnung
zu Prismen nach DIN 1164 erhärtet, durch diese Temperaturbehandlung nennenswertes hydraulisches Erhärtungsvermögen zurückerhalten
haben. Derartige Stoffe können erneut als Bindemittel, oder als hydraulische
Zusatzstoffe eingesetzt werden [6].
Auch eine Teilsubstituierung des RohmehIs durch Betonbrechsand von bis zu 25%, je nach Zusammensetzung, im Drehrohrofen
bei der Zementherstellung (1450°C) erscheint möglich. Dies könnten echte Kreislaufverwertungen
sein; doch ist noch beträchtlicher Forschungsaufwand notwendig.
Ausblick
Die Forschung muss Konzepte entwickeln, wie künftig ressourcenschonender,
energiegünstiger, abfallärmer, wiederverwertungsgerechter
und gleichzeitig wirtschaftlich gebaut werden kann. Und sie muss Lösungen
erarbeiten, wie der heutige und der zu erwartende
Bauabfall wieder zu hochwertigen Baustoffen werden kann. Die Baustoffforschung
hat die Herausforderung in der Vergangenheit nur zögerlich aufgegriffen,
dementsprechend ist, mit Ausnahme der Strassenbaustoffe, der heutige Kenntnisstand
noch unzureichend. Aktuelle Forschungsprojekte studieren die Baustoffeigenschaften
in Abhängigkeit von der Geschichte, Zusammensetzung und Aufbereitung
der eingesetzten Altbaustoffe. Leistungsfähige Produkte müssen aufgezeigt
und deren Bedingungen für Grenzen der Leistungsfähigkeit (performance)
nachgewiesen werden.
Literatur
| [1] |
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG)
Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltvertraglichen
Beseitigung von Abfällen, Deutsches Bundesrecht, Stand. 27.9.1994 |
| [2] |
DAfStb-Richtlinie
Beton mit rezykliertem Zuschlag: Teil 1 Betontechnik und Teil 2 Betonzuschlag aus Betonsplitt
und Betonbrechsand, Beuth Verlag, Berlin, Ausgabe August 1998
|
| [3] |
Baustoffkreislauf im Massivbau: 3. Statusseminar,
TU Darmstadt, 28. und 29 Seorember 1998 |
| [4] |
Budelmann, H., Dora, B.: Teilprojekt C1 Baustoffeigenschaften,
Sonderforschungsbereich 385 Baustoffrecycling, Otto-von-Guericke-Universitat
Magdeburg. Arbeits- und Ergebnisbericht 1995/96, S.251-285
|
| [5] |
Budelmann, H.; Dora, B.: Beton mit rezykliertem Zuschlag.
Fachtagung Innovatives Bauen, 13./14. 11. 1997, Heft 136, Schriftenreihe des ibmb,
TU Braunschweig, S. 185-194 |
| [6] |
Möller. S.: Verwendbarkeit von Betonbrechsand, Diplomarbeit
im Fachgebiet Baustoffkunde der Universität Gesamthochschule Kassel, 1998 |