Baustoffkreislauf im Massivbau
Am 27./28. Mai veranstaltete der Deutsche Ausschuß für Stahlbeton (DAfStb) gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Normung (DIN) und dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) ein Forschungskolloquium in Berlin, auf dem die Ergebnisse des dreijährigen Forschungsvorhabens "Baustoffreislauf im Massivbau" bekanntgegeben wurden. Danach ist die Verwendung der beim Abbruch anfallenden mineralischen Baurestmassen zum Herstellen von Beton für tragende Konstruktionen nach DIN 1045 geregelt.
Forschungsvorhaben
Vom Betonstraßenbau ist
die Verwendung von Zuschlag aus aufbereitetem Altbeton vom Betonstraßenrückbau
bekannt. Eine Übertragung dieses Vorgehens auf den Betonbau nach DIN 1045
war bisher nur auf zustimmungspflichtige Einzelfälle beschränkt, da
der allgemeine Nachweis fehlte, daß
damit keine nachteiligen Auswirkungen auf die Standsicherheit und die Dauerhaftigkeit
von Konstruktionen verbunden sind.
In Deutschland rechnet man im Baubereich
mit jährlich 285 Mio. t Abfall. Aufbereiteter Bauschutt und Betonabbruch
aus dem Hoch- und Tiefbau unterscheiden sich von Straßenaufbruch durch
ihre heterogene Zusammensetzung. Die Anteile sind stark von der Nutzung der
Gebäude und baulichen Anlagen sowie dem Alter und der Bauweise
abhängig (s. Tafel 1). Die Wiederverwertung
(Recycling) von Abfällen aus dem Baubereich hat im Sinne der Kreislaufwirtschaft
ökologische und ökonomische Bedeutung, da so natürliche Ressourcen
geschont und Deponiebedarf für Baurestmassen verringert werden können.
Dem wachsenden Druck, Abbruchmaterial verstärkt
wiederzuverwerten, steht aus technischer Sicht noch eine Unsicherheit gegenüber
dem allgemeinen Einsatz solcher Stoffe entgegen, da langjährige Erfahrungen
fehlen. Dies veranlaßte den Deutschen
Ausschuß für Stahlbeton (DAfStb) 1996 dazu, das von Forschungsstellen
der Industrie und Hochschulen getragene Verbundforschungsvorhaben "Baustoffkreislauf
im Massivbau" (BiM) zu starten. Mit grundlagenorientierten und anwendungsbezogenen
Forschungsarbeiten sollte abgeklärt werden, ob und unter welchen Bedingungen
die beim Abbruch von Bauwerken anfallenden mineralischen Baurestmassen möglichst
vollständig beim Erstellen von Neubauten wiederverwertet werden können.
Im April 1999 wurde das Forschungsvorhaben nach drei Jahren beendet. Es war
mit rd. 12 Mio. DM Gesamtkosten je zur Hälfte vom BMBF und der Industrie
(Bauindustrie, Baustoffindustrie, Bauwirtschaft und Verbände, DAfStb, Deutscher
Beton-Verein [DBV], Verein Deutscher Zementwerke [VDZ]) gefördert worden.
Forschungsergebnisse
Prof Dr.-Ing. Peter Grübl
vom Institut für Massivbau der TU Darmstadt gab als Projektkoordinator
einen Überblick. So waren sämtliche Stoffstromstufen Gegenstand dieses
Forschungsvorhabens:
Insgesamt haben 20 Institutionen aus Forschung und Industrie 43 Forschungsthemen behandelt. Die Ergebnisse wurden thematisch geordnet und zusammengefaßt von Generalberichterstattern vorgetragen.
Abbruch
Prof Dr.-Ing.Josef Eibl vom Institut
für Massivbau und Baustofftechnologie der Universität Karlsruhe berichtete
über "Fortschrittliche Methoden zur Bewertung und zum umweltfreundlichen
Abbruch von Konstruktionen". Dazu gehören u.a. ein Leitfaden für
die Erfassung und Bewertung der Materialien eines Abbruchobjekts und Schnellprüfrerfahren
zur Beurteilung der Kontaminierung von Baustoffen vor dem Abbruch sowie neue,
umweltfreundliche Abbruchverfahren.
Dr.-Ing. Guntram Kohler, remex Baustoffrecycling
AG, Duisburg, sprach über "Die industrielle Aufbereitung von Abbruchmassen
zu Zuschlag für Beton". Mit neuentwickelten Meßgeräten
lassen sich in den angelieferten Abbruchmassen
Schadstoffe vor der Aufbereitung feststellen.
Baustoff und Bauwerk
Im Beitrag über "Betontechnik
bei Beton mit rezykliertem Zuschlag" zeigte Prof. Dr.-Ing. Peter Grübl
den Einfluß von rezykliertem Zuschlag auf die Frisch- und Festbetoneigenschaften
auf und stellte die Folgerungen daraus für den Mischungsentwurf und die
industrielle Betonbereitung mit rezykliertem Zuschlag dar. Eingegangen wurde
auch auf Mehrfachrecycling und Untersuchungen an Betonwaren (Betonpflastersteine).
Dr.-Ing. Eberhard Siebel vom Forschungsinstitut
der Zementindustrie in Düsseldorf machte in seinen Ausführungen über
"Aspekte der Dauerhaftigkeit bei Beton mit rezykliertem Zuschlag"
Vorschläge für Höchstanteile rezyklierten Zuschlags.
In seinem Bericht über "Tragende
Bauteile nach DIN 1045-1 aus Beton mit rezyklierten Zuschlägen" gab
Prof Dr.-Ing. Konrad Zilch von der Universität München bemessungsrelevante
Kennwerte (begrenzte Anteile rezyklierter Zuschläge) bekannt. Prof Dr.
Ing. Friedhelm Stangenberg von der Ruhr-Universität in Bochum stellt Besonderheiten
zum Bauverhalten derartiger Bauteile vor.
Umsetzung
Prof Dr.-Ing. Hans-Wolf Reinhardt vom
Institut für Werkstoffe im Bauwesen der Universität Stuttgart stellte
"BiM-Online als neues Informationskonzept" mit Wissensspeicherung
der Forschungsergebnisse vor. Die gesammelten Daten zum BiM-Forschungsvorhaben
können im Internet unter http://www.b-i-m.de abgerufen werden.
Richtlinie
Nach den Ergebnissen des Forschungsvorhabens
darf rezyklierter Zuschlag auch für Konstruktionsbeton im Sinne von DIN
1045-1 verwendet werden. Hierfür wurde die neue Richtlinie "Beton
mit rezykliertem Zuschlag" erarbeitet, die von Prof Dr.-Ing. Peter Grübl
und Dr.-Ing. Norbert Bunke vom DAfStb erläutert wurde. Sie bezieht sich
zunächst nur auf Betonzuschlag aus Betonsplitt und Betonbrechsand und soll
später auf andere Materialien, wie z.B. Ziegel, erweitert werden. Sie enthält
u.a. Angaben über die Höchstmengen rezyklierten Zuschlags für
die verschiedenen Anwendungen (Innen- und Außenbauteile, wu-Beton, Beton
mit hohem Frostwiderstand usw.), die erweiterte Eignungsprüfung des damit
hergestellten Betons (Wasseraufnahme und Kornrohdichte, Fließmittelzugabe),
Aufbereitungsanlagen und Herstellungsverfahren sowie Anforderungen (Prüfungen
und Häufigkeit, Schadstoffgehalte) und Kennzeichnung (s. Tafel
2).
Bauausführung
Zur Veranschaulichung des BiM-Projekts
wurde ein Film mit Einzelheiten von zwei inzwischen ausgeführten mehrgeschossigen
Stahlbetongebäuden mit rezyklierten Zuschlägen als Demonstrationsbauten
mit Einzelfallzustimmung gezeigt. Erwähnt sei auch das neue Hundertwasser-Haus
in Darmstadt (vgl. beton 5/1999, 5. 262), bei dem für Decken, Treppenhäuser
und aus steifende Wände Stahlbeton der Festigkeitsklassen B 25 und B 35
mit rezykliertem Zuschlag nach der neuen Richtlinie verwendet wird.

| Tafel 1 | Bestandteil Straßenaufbruch |

| Tafel 2 | Zulässige Höchstmengen rezyklierten Zuschlags für verschiedene Anwendungen |