Zweites Leben für Altbeton
Es ist allgemein
bekannt, daß die natürlichen Rohstoffgrundlagen weltweit endlich
sind und deshalb geschont werden müssen. Doch wer denkt dabei schon an
Sand und Kies? Diese Grundmaterialien werden aber auch zusehends knapper. Daher
ist es verständlich, daß die Wiederverwertung von Baumaterial immer
wichtiger wird. Zusätzliche Unterstützung erhielt diese Entwicklung
hierzulande durch die Einführung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes.
Es soll Altmaterialien in den Verwertungskreislauf zurückführen, natürliche
Ressourcen schonen und schließlich für eine umweltverträgliche
Beseitigung nicht mehr verwendbarer Stoffe sorgen.
Verwertung
von Bauschutt
Der richtige
Umgang mit Bauschutt ist dabei gar nicht so einfach, denn für eine optimale
Wiederverwertung muß er schon beim Abbruch getrennt erfaßt werden
(Bild 1). Recyclingbaustoffe aus unsortiertem
Bauschutt können für Lärmschutzwände und "ungebundene
Tragschichten" im Straßenbau verwendet werden. Aus sauber getrenntem
Altbeton aufbereiteter Betonsplitt dagegen ist als Zuschlag für frischen
Beton ein wertvoller Sekundärrohstoff.
Recycling
im Straßenbau
Fast unbemerkt
hat das Recycling im Straßenbau mittlerweile beachtliche Ausmaße
angenommen. Was zunächst mit dem Befestigen von Feldwegen mittels Bauschutt
begann, mündete schließlich darin, daß alter Straßenbelag
zerkleinert, gesiebt, sortiert und als vollwertiger Zuschlagstoff für Beton
erneut verbaut wird. Bei der Instandsetzung von Betonstraßen wird dabei
anfallender Betonbruch zu Betonsplitt und -brechsand aufbereitet. Festigkeit
und Frostwiderstand entsprechen dem neuwertiger Baustoffe wie Kies, Sand und
Splitt. Resultat: Der Oberbau von Straßen besteht immer häufiger
bereits zu 100 % aus zementgebundenen Granulaten aus Altbeton.
Neuer Stadtteil durch Konversion
Betonrecycling muß
sich jedoch nicht auf den Straßenbau beschränken. Ein interessantes
Beispiel für die Anwendung im Hochbau entstand vor den Toren Hamburgs:
In Itzehoe wurde von der Bundeswehr ein 20 ha großes Kasernenareal in
bester Lage geräumt. Mit dem Konversionsvorhaben im nördlichsten Bundesland
entsteht ein neuer Stadtteil. In der Firma Plate & Partner fanden die Stadtväter
eine Baugesellschaft, die dieses Großprojekt nicht nur mit Weitblick,
sondern auch mit einer ganzen Menge kreativer Ideen realisiert. Bis zum Jahr
2000 sollen im "Wohnpark Klostersforst" Stadtvillen, Sozial- und altengerechte
Wohnungen und Niedrigenergiehäuser mit insgesamt 550 Wohneinheiten entstehen,
dazu ein "ParkCenter" mit Läden, Arztpraxen, Apotheke, Bank und
Kindergarten sowie ein Veranstaltungszentrum mit Cafeteria.
Verwertung von
Altbeton
Auch ein innovatives
Recyclingkonzept für die alten Bundeswehrkasernen und -anlagen fehlte nicht:
20000 t Altbeton und noch ein mal 50000 t weiteres Baumaterial wurden durch
einen dafür entwickelten Schredder geschickt, anschließend sortiert
und von der Materialprüfanstalt Eckernförde auf Unbedenklichkeit geprüft.
Ein Teil der geschredderten Materialien fand Verwendung im Bau der Erschließungsstraßen.
Die 20000 t zerhäckselter Beton wurden im eigenen Mischwerk als Zuschlagstoff
für den neuen Beton verwendet. Ein weiterer Vorteil: Den Anwohnern blieben
auf diese Weise rd. 3 600 Fahrten schwerer Lkws erspart. Das sind 60000 gesparte
Kilometer Lkw-Fahrten und 20000
l Dieselkraftstoff.
Bauaufsichtliche
Zulassung im Einzelfall
Die gesamte Aktion erforderte
jedoch ein gehöriges Maß an Hartnäckigkeit der Beteiligten,
weil zum Baubeginn vor gut zwei Jahren eine solche Recvclingmaßnahme im
Hochbau nur mit einer Sondergenehmigung
möglich war. Generell galt seinerzeit, daß der Einsatz von Recyclingbaustoffen
im Betonhochbau eine "Bauaufsichtliche Zustimmung im Einzelfall" erforderte.
Mit anderen Worten: Es war zu prüfen, ob das Recyclingmaterial allen Anforderungen
an Schadstoffarmut und Festigkeit entsprach.
Fehlendes Regelwerk
Bundesweit erste Erfahrungen
mit dem Einsatz von Recyclingbeton im Hochbau waren bereits beim Verwaltungsneubau
der "Deutschen Bundesstiftung Umwelt" in Osnabrück 1994 gesammelt
worden (Bild 2). Eine weitaus weniger aufwendige
Möglichkeit für den Einsatz von Recyclingbeton ergab sich in der Folgezeit
durch die Zulassung von Baustoffaufbereitungsanlagen in Bayern und Hessen, die
seitdem qualitativ hochwertige, recycelte Zuschlagstoffe für Beton fertigen
und zu Transportbeton verarbeiten. Aber auch die "allgemeine bauaufsichtliche
Zulassung" dieser Werke war für die Betreiber ein schwieriges, aufwendiges
und kostenintensives Verfahren. Der Grund ist, daß jegliches Regelwerk
zur Verwendung von recyceltem Betonsplitt in Frischbeton fehlte.
Um solchen Problemen künftig
abzuhelfen, begann Mitte 1996 ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsvorhaben
mit dem Titel "Baustoffkreislauf im Massivbau". Das Ziel ist die Erarbeitung
einer Richtlinie zur Verwendung von Recyclingzuschlägen in Beton nach der
DIN-Norm 1045. Hochschulen und Industrie befassen sich seitdem innerhalb dieses
Vorhabens mit allen Aspekten des Betonrecyclings, damit sich solche Projekte
zukünftig mit weniger Hindernissen realisieren lassen.

| Bild 1: | Die Wiederverwertung von Baumaterialien schont Ressourcen: Alter Straßenbelag z.B. wird zerkleinert, gesiebt, sortiert und als vollwertiger Zuschlagstaif für Beton erneut verbaut. |

| Bild 2: | Bundesweit erste Erfahrungen mit dem Einsatz von Recyclingbeton im Hochbau: Der Verwaltungsneubau der "Deutschen Bundesstiftung Umwelt" in Osnabrück, 1994. |